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Bevor ich mich der Beratung Blinder, Sehbehinderter und deren
Angehöriger widmete, war ich 30 Jahre evangelischer Blindenpfarrer in Berlin.

Ich habe erlebt, wieviele unter ihrer Sehbehinderung gelitten haben, verzweifelt waren oder von Suizidgedanken gequält wurden.

Niemand braucht aber unglücklich zu sein, wenn ihm geholfen wird, noch einen anderen Sinn in seinem Leben zu entdecken.

Das Leben bietet mehr als nur die Welt der Sehenden.


Abbas Schah-Mohammedi
Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi

Wer bin ich?

Als ich 1317 nach persischer Zeitrechnung in Iran zur Welt kam, zählte man in Deutschland bereits das Jahr 1938.

Im Alter von 8 Jahren erblindete ich durch eine Kinderkrankheit. Meine Schulausbildung erhielt ich weitgehend in der von dem Deutschen Ernst Jakob Christoffel gegründeten Blindenschule in Isfahan.
Von Hause aus Moslem, habe ich bei Christoffel glauben gelernt. Ich wurde sein letzter Täufling.

Missionar Christoffel hat mich das Sehen gelehrt.
Auf die Frage, wie viele Augen hast du, sagte ich, keine.
Da nahm er meine Hände und zählte meine Finger ...
So viele Augen hast du.
An jedem Finger habe ich ein Auge,
nur an einem zwei, meinem Lesefinger.

In meiner Bibel stehen 8,5 Millionen Punkte.
Wenn meine Finger über die Punkte gleiten,
Punkt an Punkt,
Buchstabe an Buchstabe,
Wort an Wort fügen,
bis ein Sinn sich mir erschließt,
dann danke ich Gott für meine Finger.
Ich lese und in mir wird es hell.

Anna Jung, eine deutsche Diakonisse und Helferin von Christoffel war wie eine Mutter zu mir. Sie sorgte schließlich dafür, dass ich zum Studium der Theologie nach Deutschland kam. Nach dem Vikariat in Lübeck und Berlin war ich von 1969 bis 2000 Blindenpfarrer und Leiter des Evangelischen Blindendienstes in Berlin.

Ich bin verheiratet. Meine Frau teilt seit einer Ewigkeit mit mir ihre Augen. Wenn man genügsam ist, reichen zwei Augen für zwei Menschen.

Jetzt bin ich im Ruhestand, ruhe mich aber nicht aus.
1998 gründete ich die "Minutenandachten am Telefon", die rund um die Uhr Deutschland weit abgehört werden.
Die Zahl der Anrufe bewegt sich zwischen 500 und 600 im Monat. Den Anrufer kostet die Andacht lediglich die ortsübliche Telefongebühr. Viele rufen mich für ein seelsorgerliches Gespräch auch persönlich an: 0049-30-4335047.

Andere wieder, die Probleme mit ihren Augen haben, wollen von mir wissen, wie ich mit der ewigen Dunkelheit fertig werde.
Friedrich Rückert hat einmal gesagt: "Willst du, dass man in das Haus dich baue, lass es dir gefallen, Stein, dass man dich behaue.

Blindheit formt, aber macht nicht unglücklich, wenn man lernt sie als ein Teil von uns zu akzeptieren. Wir müssen nicht alles haben, um glücklich zu sein. Manchmal hilft auch die Einsicht weiter: Ich habe keinen Anspruch auf das Leben.