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Das Thema:

September 2011

Zauber des Anfangs

 

Wo wohnst du? Gib mir deine Telefonnummer. Schreib mir deine Adresse auf. So fangen Freundschaften und Liebesgeschichten an.

Wenn ich will, dass mir von diesem Menschen irgend etwas bleibt, dann muss ich wissen, wo er wohnt.

Wo wohnst Du, fragen auch die ersten Menschen, die sich für Jesus interessieren: "Kommt und seht", antwortet ihnen Jesus. Die so fragen, sind Johannes und Andreas, seine späteren Schüler.

Was sie bei ihm reden und von ihm erfahren, muss sie derart umgetrieben haben, dass sie sich sogar die Stunde gemerkt haben: "Es war um 4:00 Uhr Nachmittag, hält Johannes in seinem Evangelium fest.

Nur bei ganz wichtigen Ereignissen können wir uns die Zeit und Stunde merken.

Eine Mutter weiss, wann sie ihr Kind geboren hat. Ich merke mir auch, welcher Mensch oder Ereignis mein Leben verändert hat. Und wer wüsste nicht, wann und wo er seiner Geliebten das entscheidende Wort gesagt hat.

Genau wie Johannes. Er schreibt ein ganzes Buch darüber und erzählt darin wie er und seine Freunde zu Jesus fanden und wie es mit ihm weiter ging. Was uns wichtig ist, das sagen wir dann auch weiter. "Wir haben den Messias gefunden" sagt Andreas zu seinem Bruder Simon und lädt ihn ein, sich selber davon zu überzeugen.

Der Messias ist da! wie muss das in ihren Ohren geklungen haben. Darauf warteten bereits ganze Generationen vor ihnen.

Große Entdeckungen in der Weltgeschichte ist das Werk berühmter Leute. Aber den Messias finden Menschen, die keinen Namen in der Welt haben, Fischer und Handwerker.

"Vater, die Geheimnisse des Himmels hast du nicht den Weisen, sondern Kindern und Unmündigen erschlossen", denen, die nicht vor der Welt zählen, betet Jesus einmal. Keiner der 12 die sich Jesus verschrieben hatten, besaßen einen Titel.

Es wäre interessant, wenn jetzt jeder erzählen könnte, wie er oder sie zum Glauben an Christus gefunden haben. Vielleicht sagen Sie ich bin einfach so hinein geschlittert. Durch das Elternhaus und durch meine Erziehung. Wichtig ist nicht das wie, obwohl auch das spannend wäre. Wichtig ist, dass ich weiß, wohin ich gehöre.

"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne", schreibt Hermann Hesse in einem Gedicht, "der uns beschützt und der uns hilft zu leben." Auch Paulus hat wiederholt von dem Zauber seines "Anfangs" gesprochen. Und als Petrus vor Gericht seinen Glauben verantworten sollte, bezeugte er: "Wir können ja nicht lassen, dass wir nicht sagen sollten von dem, was wir gesehen und gehört haben."

Ich stelle mir vor, die Jünger sind zeitlebens dankbar gewesen für den Wink, den ihnen der Täufer Johannes gegeben hatte: "Seht, das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt."

Wer von uns sagt heute wem, was Sache ist? Das ist doch die Frage. Für unsere Entscheidungen, die wir täglich treffen, ist jeder selber verantwortlich; kein anderer, auch Gott nicht. Was wir aus unseren Begabungen und Fähigkeiten machen, dafür muss jeder selber grade stehen.

Das Leben besteht aus einer Kette von Entscheidungen. Wir entscheiden uns, in dem wir manches festhalten und anderes loslassen. Riskant ist beides. Wir wissen nämlich nie, ob die getroffene Entscheidung richtig war oder falsch. Es stellt sich erst später heraus.

Dann kann es sein, dass uns die Augen aufgehen und wir sagen müssen: Das, was ich so krampfhaft festgehalten habe, das große Glück war es nicht. Was ich aber so schnell losgelassen habe, gerade das war mein Glück. Manches lässt sich wieder zurecht biegen. Anderes aber geht unwiederbringlich verloren. Dann heißt es: Verpasst ist verpasst.

Darauf macht aber die Bibel aufmerksam: "Heute, so ihr seine Stimme hört, verstockt eure Herzen nicht." Kommt und seht. Ist das noch möglich, wenn man glaubt sein Leben vertan zu haben? Kommt und seht, für den Ruf Gottes ist es nie zu spät. Selbst das vermurkste Leben bekommt noch ein mal eine Chance.

"Wo wohnst du"? Die Jünger finden bei Jesus eine Bleibe, die selbst der Tod nicht zerstören kann.

 

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi