Startseite
uhr
   

Das Thema:

November 2011

Kosenamen

Still und ruhig ist meine Seele heute morgen, wie ein sattes Kind in den Armen seiner Mutter. Es räkelt, lächelt und sagt doch so viel, wie man mit Worten nicht sagen kann.

Dann macht es ein Hick zur Freude der Mutter. Es weiß noch nicht, was seine Mutter weiß, dass es ein Geschenk Gottes ist; Eingewickelt in Windeln und gehalten von zwei starken Armen.

Auch mir ist es wohl heute. Gut geschlafen, gefrühstückt und singe jetzt ein Lied Gott zu Lob und Ehren. Dahinein lege ich meine Gedanken und Gefühle, die ich für ihn habe. Auch wenn der Himmel weit ist von hier, müsste er es hören, Meines und das seiner Menschen überall. Er wird schon auseinander halten, was mein ist und was dein.

Manchmal wünschte ich, er würde nicht alles hören, was ich sage und denke. Aber vielleicht denke ich zu gering von Gott. Eine Melodie hat mein Lied nicht. Es geht so, wie das Vaterunser geht.

Warum rufen wir Gott immer nur mit seinem amtlichen Namen an und nicht öfter bei seinen Kosenamen? Die Propheten haben es getan, die Psalmbeter und Jesus auch.

Namen, die eine Herzensbeziehung Ausdrücken. Berg und Burg, Schirm und Schild, sind Lieblingsnamen, die David Gott gibt, wenn er mit ihm spricht. Er sucht bei dem Schutz, den er über alles liebt. Wo anders könnte ich Gott besser spüren, als im Gebet?

Er sagt in einem Psalm: "Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke!" Er weiß, die Kraft, die ihn am Leben hält kommt nicht allein von Essen und Trinken, sondern aus seiner Beziehung und seinem Glauben an Gott.

Auch Fels ist in der Bibel ein häufiger Name für Gott. Er drückt die Erfahrung aus: Wenn das Wasser der Angst vor den Feinden steigt und mir nach dem Leben trachtet; wenn die Katastrophen unangemeldet kommen und ich kann sie nicht abwehren, dann stellt er mich auf einen Felsen hoch.

Weg und Tür, Brot und Licht sind Namen, die Jesus sich von seinem Vater leiht. Sie drücken sein inniges Verhältnis zu ihm aus. Gleichzeitig sind sie Wegweiser auch für uns.

Vater hat er Gott genannt und Mutter, denen nichts zu teuer ist für ihre Kinder, genau wie bei ihm selber.

Manchmal wird Gott auch mir zum Wasser und Brot, das meinen Durst und Hunger nach ihm löscht. Das denke ich mir nicht nur, ich sage es ihm auch, dass er es mit den Ohren hören muss.

Ach, dachte ich vergangene Nacht, als ich im Bett lag, so behaglich und friedlich habe ich es bei dir. Ich wollte beten, da sagte mein Herz, mir leise ins Ohr: deine Dankbarkeit ist schon ein Gebet. Nun brauchte ich nur noch zu sagen Amen.

Manchmal habe ich auch Namen für Gott, die aus der Klage genommen sind. Zum Beispiel neulich. Da kam ich von einem Krankenbesuch nach Hause und hatte so viel Kraft, dass es nur zum Klagen reichte. Klagenamen, Namen, die auf Grabsteinen stehen.

Jesaja nennt Gott einmal: "Ich will euch trösten, wie einem seine Mutter tröstet." Das leihe ich mir manchmal von ihm und mache es zu meinem Gebet.

Ich sage, lieber Gott, heute nenne ich dich wohliges Gefühl und helle Sonne, die mein Gemüt erwärmt.

Neulich als nach langer Dürre wieder der erste Regen fiel und der Duft der Erde mir in die Nase stieg, rief ich so laut, das mein Nachbar es hätte hören können: Gott, heute kommst du als Regen zu mir, der so lange ausgeblieben.

Ja, es kommt vor, dass Gott verreist und wir müssen lange auf ihn warten. Damit aber die Zeit uns nicht lang wird, haben wir das Evangelium von ihm:

Lebe das, sagt er, was du heute begriffen hast. Das andere, was du nicht verstehst, muss du auch nicht tun.

Jeden Tag ein Stück, in Ehrfurcht gelesen, hat die Kraft uns zu verwandeln. Aus einem Fremden ein Gottes Kind zu machen.

Wer gut von Gott denkt, hält es aus und übt sich geduldig im Warten. Genau wie der, den ich liebe. Bertold Brecht hat es treffend ausgedrückt. Er sagt in einem Gedicht:

"Der, den ich liebe, hat mir gesagt, dass er

mich braucht!

Darum gebe ich auf mich Acht.

Sehe auf meinen Weg und fürchte mich

vor jedem Regentropfen, dass er mich

erschlagen könnte!"

 

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi