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Das Thema:

November 2010

Jesus auf der Kanzel

Liebe Leserin, lieber Leser,

für seine erste öffentliche Predigt hat Jesus einen Berg als Kanzel gewählt. Später wird er sogar das Bot des Petrus nehmen, um die Menschen zu erreichen, die sich am Ufer versammelt haben. Oder er steht im Vorhof des Jerusalemer Tempels und spricht vom Wasser des Lebens, das die Menschen brauchen. Wenn man mich fragte, was willst du sein, würde ich sagen, eine Kanzel für Gott.

Wie Moses auf dem Berg Sinai von Gott das Gesetz für das Volk Israel empfing, so empfangen die Apostel von Jesus die christliche Lehre für alle Menschen.

Berg, warum Berg? weil er von allen gesehen und gehört werden wollte. Vergleichen könnte man es mit einer Bibelarbeit bei einem Evangelischen Kirchentag, wo auch Tausende zusammen kommen.

Die Bergpredigt besteht aus drei Kapiteln, die im Matthäus Evangelium (5-7) stehen. Darin werden alle wichtigen Themen angesprochen, die später in den Evangelien entfaltet werden.

Man hat die Bergpredigt auch "das Grundgesetz des Reiches Gottes" genannt. Eingeleitet wird sie mit den so genannten Seligpreisungen, die erste "vollmächtige" Predigt Jesu, wie die Hörer es am Schluss sagten:

"Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.
Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt." (Matth. 5,3-12)

Hier wird derjenige Mensch selig gesprochen, dem es gerade nicht gut geht, sondern der aufgrund seiner Frömmigkeit ein schweres Schicksal ertragen muss. Er wird einst dafür von Gott belohnt werden.

Bei Jesus ist die Seligkeit, im Gegensatz zum Alten Testament nicht an Bedingungen geknüpft. Die Seligkeit kann man sich weder verdienen noch erarbeiten, sondern sich nur schenken lassen. Gott schenkt gern, das ist sein Metier. Seid nicht zu stolz dafür. Euer Leben ist auch nichts anderes als Geschenk.

In der Bergpredigt spricht Jesus auch davon, wie die Menschen leben und sich richtig verhalten sollen. Es werden Regeln genannt und Beispiele erzählt. Das Vaterunser kommt darin vor und dass wir unsere Feinde lieben sollen, wie auch Jesus selber getan hat.

Gibt dir einer eine Ohrfeige auf die rechte Backe, halte ihm auch die andere Seite hin. Mit dem Vergeltungsprinzip erreichst du nur noch mehr Rache. Dagegen könnt ihr ganz andere, nie da gewesene Ergebnisse erzielen, wenn ihr auf Jesus hört. Der Feind kann dadurch nachdenklich werden und seine Situation überdenken, statt auf seinem Recht zu bestehen.

"Ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt", sagt Jesus weiter. So nötig wie Salz und Licht für das Leben sind, so nötig braucht euch die Welt. Das Salz bewirkt, dass die Speisen gut schmecken und das Licht, dass die Menschen sehen, was vor ihren Füßen liegt. Schon eine Prise Salz reicht zum würzen und konservieren. Schon ein Strahl Licht lässt uns im Dunkel sehen.

12 Jünger seid ihr nur? Dennoch könnt Ihr durch euer Reden und Tun die Welt verändern. Keiner soll sich dafür zu gering halten. Keiner soll sagen: Wir sind ja nur eine kleine Gruppe. Was können wir ausrichten. Ihr könnt sogar die ganze Gesellschaft verändern. Nicht mit einem Schlag, sondern Stück für Stück und nacheinander.

Wenn Leidtragende getröstet - und Hungernde satt werden, dann ist das bereits eine Veränderung im kleinen. Alles große fängt klein an. Tausend Schritte fangen nicht mit dem letzten, sondern mit dem ersten Schritt an. Jürgen Werth sagt:

"Gott fängt klein an. Damit niemand sagen kann: Du bist mir zu groß.
Gott fängt schwach und verletzlich an. Damit niemand sagen kann: Du bist  mir zu stark.

Gott fängt niedrig an. Damit niemand sagen kann: Du bist zu weit weg für mich."


 

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi