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Das Thema:

Mai 2011

Zum Muttertag

Wie oft schon wollte ich zur Feder greifen um Dir zu schreiben. Wollte Dir sagen all die Worte, die Du gerne hörst von mir. Aber meine Hände hatten anderes zu tun.

Wie oft schon war ich an der Tür um raus zu gehen, Dich zu besuchen, zuletzt an Weihnachten. Aber immer fiel mir noch etwas Wichtiges ein.

Wie oft schon hob ich den Hörer ab, wählte Deine Nummer, hörte den ersten Ton und dachte, Du könntest schlafen.

Ich habe alle Briefe aufgehoben, in denen Du klagst, dass ich Dich nicht besuche.

Du kannst es nicht verstehen. Ich kann mit Dir besser aus der Ferne sprechen.

So vergingen Monate und Jahre. Bis dieser Brief kam heute.

Wen soll ich nun fragen, was nur du könntest mir sagen? Die Sonne hast Du mitgenommen, die Nacht für mich gelassen.

Die Blumen habe ich bestellt und die Schleife. War das Dein Trauspruch? Immer wolltest Du es mir sagen, allein ich wollte es nicht hören: "Sei getreu bis in den Tod ..."

liebe Leserin, lieber Leser, was könnten wir dafür tun, damit es bei uns nicht so weit kommt, wie in dieser Geschichte? Allein mir war es nicht beschieden meine Mutter zu lieben. Sie starb als ich noch ein Kleinkind war.

Doch ein Bild von ihr ist mir geblieben, das ich hüte wie einen kostbaren Schatz von dem es nur ein Exemplar gibt. Ich trage es im Herzen und nicht in der Tasche. Dort, wo kein Dieb hinkommt und kein Rost es erreicht.

Je älter ich werde, desto häufiger hole ich es heraus und betrachte es. Ich sehe meine Mutter von zwei Männern gestützt auf einen Esel steigen. Und ehe sie den Hof verlässt, dreht sie sich noch einmal nach mir um. Später wurde mir erzählt, dass sie schwer krank war und ins Krankenhaus gebracht wurde, wo sie bald danach starb.

Viel habe ich in all den Jahren in dieses Bild hinein gedacht und heraus gelesen. Ich staune, dass es immer noch nicht vergilbt. Wenn man so wenig hat, wie ich von meiner Mutter, muss man es in Ehren halten.

Leider kann ich nicht sagen, dass mich meine Mutter den Glauben gelehrt hat. Keiner hat mit mir am Bett gebetet oder gesungen. Darum appelliere ich immer wieder an junge Eltern, diese Aufgabe ernst zu nehmen. Nicht nur für das materielle Wohl der Kinder zu sorgen, sondern vor allem mit ihnen zu beten. Mutter Teresa von Kalkutta hat einmal gesagt: „Eine Familie, die zusammen betet, hält auch zusammen“.

Wir in Deutschland haben den Glauben nicht vom Pfarrer gelernt, auch nicht in der Schule, sondern wir haben ihn gelernt bei der Mutter, die abends am Bett mit uns gebetet und uns das erste Mal von Gott erzählt hat.

Hätte ich noch eine Mutter, wollte ich ihr sagen, was mir versagt geblieben:

Mutter, ich wünsche dir, dass Wirklichkeit wird, was ich dir wünsche.

Dass die Blumen länger halten und die Freude morgen noch da ist.

Dass du oft viel zu lachen hast und in deinem Portemonnaie immer Geld ist.

Dass immer einer dir die Tür öffnet, wenn du anklopfst. Ich freue mich über jeden, der kommt und über den, der auch wieder geht.

Ich wünsche dir, dass du Freunde findest, die sich freuen, dass du da bist, dass deine Kinder zu dir noch lange Mutter sagen und deine Enkel Oma.

Und wenn du keinen hast, der zu dir kommt, wenn Muttertag ist, dass Gottes Frieden bei dir einkehrt.

Ich wünsche dir, dass dir einer die Tränen abwischt, wenn sie nicht mehr versiegen wollen.

Und dass am Schluss, ganz am Schluss, wenn die Wolke der Sonne das Gesicht verdeckt und die vertrauten Stimmen schweigen, dass noch Gott dir einfällt, der letzte, der auch der erste war.

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi