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Das Thema: Mai 2009

Auferstehungserfahrungen

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

viele wundern sich, warum Jesus gleich wieder unsichtbar wurde, nachdem er sich zu Ostern seinen Jüngern gezeigt hatte. Seine Mission war nicht sein irdisches Leben wieder fortzusetzen, sondern sich den verängstigten und verzweifelten Jüngern zu zeigen, dass der Tod ihn nicht im Grab halten konnte. Das müsste für ihren und unseren Glauben genügen. Jetzt liegt es an uns, wie wir darauf reagieren. Wie Petrus: "Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn" oder wie Thomas: "Wenn ich nicht in seinen Händen sehe die Nägelmale ..., kann ich's nicht glauben." 

Immer wollen wir Beweise sehen, bevor wir uns überzeugen lassen. Für Ostern gibt es aber keine objektiven Beweise. Der Glaube ist ein Wagnis ohne absolute Sicherheit. Auferstehung ist keine Lebensverlängerung. Auch kein zweites Leben wie im Hinduismus oder Buddhismus. Auferstehung ist eine Lebensqualität, wie wir sie bis zur Gänze noch gar nicht kennen. Es beginnt in diesem Leben und nicht erst nach dem Tod. Für Gott gibt es nämlich keinen Tod, wo er nichts mehr für uns tun könnte. Der Tod trennt uns zwar von unseren Lieben, aber nicht von Gott. Wenn wir tot sind, sind wir für Gott noch lange nicht tot. 

Für mich ist es nicht vorstellbar, dass ein Schöpfergott, der das Leben der Menschen will, sie nach diesem Leben einfach ins Nichts fallen lässt oder auslöscht. Der Glaube an Gott, als den Schöpfer und die Hoffnung auf ihn als den Vollender dieser Schöpfung gehören untrennbar zusammen. Ich glaube an den Gott, der das, was er ins Leben ruft, auch zu einen guten, heilvollen Ende führt. 

Mit Ostern hat sich auch der Apostel Paulus intensiv befasst: Was kann uns von Gottes Liebe trennen, der Tod etwa, fragt er und antwortet: Nein, nie und nimmer. Weder der Tod, noch irgend welche Mächte und Kräfte können uns die Liebe Gottes wegnehmen. Auch nicht die Macht der Sünde. Auch nicht unsere Schlechtigkeiten. Egal wie Gott am Ende mit uns verfährt, es wird gut mit uns. Denn die Liebe will immer das Beste. 

Warum machen wir uns Sorgen, was mit uns wird. Was wäre da Grund zur Sorge? Dass wir Gott nicht genügen und uns nicht vor ihm rechtfertigen könnten? Haben wir nach 500 Jahren Reformation immer noch Höllenangst? Dabei hat der, dessen Auferstehung wir feiern gesagt, wir sollen uns keine Sorgen machen.

Jeden Tag neu erlebe ich, wie mich mein Glaube von Sorgen befreit. Gewiss, die Sorgen kommen wieder. Aber der Glaube auch.

In einem Gedicht von Schalom ben Chorin, das auch im Evangelischen Gesangbuch aufgenommen wurde (Nr. 237) wird der Weg gezeigt, wohin wir fliehen, wenn Ängste und Zweifel uns plagen:

"Und suchst du meine Sünde, flieh ich von dir zu dir, Ursprung, in den ich münde, du fern und nah bei mir.

Wie ich mich wend und drehe, geh ich von dir zu dir; die Ferne und die Nähe sind aufgehoben hier.

Von dir zu dir mein Schreiten, mein Weg und meine Ruh, Gericht und Gnad, die beiden bist du - und immer du."

"Mir hat mal ein Urologe erzählt", sagt der Fernsehunterhalter Harald Schmidt: "Auf dem Sterbebett werden alle gläubig." Ich glaube, ob man Atheist ist oder nicht, entscheidet sich erst auf den letzten Metern.

Wie es mit uns weiter geht, wenn wir tot sind, darauf hat Jesus eine klare und eindeutige Antwort gegeben. Er sagt im Johannes Evangelium: Wo ich bin, da sollen meine Diener auch sein. (Joh. 12,26) Und wo ist Christus? "zur rechten Gottes", beten wir Sonntag für Sonntag im Glaubensbekenntnis. Für meinen Glauben genügt diese Antwort. Ja, es ist sogar mehr, als ich erwarten dürfte.

Auf die Frage, wo bleibe ich, wenn ich gestorben bin, antwortet auch David im Psalm 23 "Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immer dar."

So gern ich lebe, darauf freue ich mich auch.

 

Abbas Schah-Mohammedi

 


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