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 Januar 2010

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir gehen in das neue Jahr, wie in den beiden vergangenen Jahren mit einem Wort im Ohr, das Jesus selber gesagt hat. Christen nennen es Jahreslosung:

"Jesus Cfristus spricht: Euer Herz erschrecke nicht! glaubt an Gott und glaubt an mich." (Joh. 14,1). 

Es ist schon ein kleiner Unterschied, ob der Evangelist es im Namen Jesu sagt oder Jesus selber. Das letzte Wort  eines Menschen vor seinem Tod heben wir anders auf, als all die Worte, die er vorher geschrieben und gesprochen hat.

Als Pfarrer Christoffel, der Gründer der Christoffelblindenmission im Sterben lag, ließ er mich zu sich rufen. Das letzte Wort, das er nach einem kurzen Gespräch an mich richtete hat mich ein Lebenlang begleitet. Es lautet: "Geh jetzt". 

Von ihm aus betrachtet, sollte es das Ende unseres Gespräches signalisieren. Aber ich habe es als Aufforderung verstanden den Weg weiter zu gehen, den er mir im Glauben gezeigt hatte.

Viel habe ich in all den Jahren in die beiden Worte hineingedacht und herausgelesen. Vorher hatte er die Hand auf meinen Kopf gelegt und gesagt: Ich taufe dich, nun bist du ein Gottes Kind. Daran habe ich geglaubt. Das war der Anfang eines neuen Weges, den ich noch gehe. 

Was Jesus in der Jahreslosung zu seinen Jüngern sagt, gehört zu seinen letzten, den so genannten "Abschiedsreden". Die Jünger sind erschrocken und verängstigt, so oft hat schon ihr Meister von Scheidung und Trennung, von Verrat und Verleugnung gesprochen, davon, dass sein Tod ein gewaltsamer Tod sein würde, dass sie vollkommen verwirrt und mutlos sind. Und jetzt noch dies: Einer im Jüngerkreis selbst wird es sein, der ihn ans Messer liefert. Und da soll man ruhig bleiben?

Wer dabei ist einen geliebten Menschen zu verlieren, dessen Herz ist eben erschrocken. Das weiß auch Jesus aus eigener Erfahrung. Aber er ist überzeugt, durch festes Vertrauen auf Gott, dem Vater und auf Jesus dem Sohn ist möglich die Seelenangst zu mildern und die kommenden Prüfungen zu bestehen. Die Trennung ist ja nicht für immer. Er geht, um ihnen eine dauerhafte Wohnung im Himmel vorzubereiten. 

Wenn Trennung droht, da hilft nur die Hoffnung auf Zusammenführung und Vereinigung. Das ist es, was Jesus seinen erschrockenen Jüngern in Aussicht stellt.

Von klugen Theorien, welche die Angst vertreiben sollen, halte ich nicht viel. Lieber sind mir die Geschichten der Bibel, die von einem neuen Himmel und einer neuen Erde erzählen, in denen die Angst geflohen und Leid und Geschrei nur vom Hörensagen bekannt sind.

Ein Mann, den ich persönlich nicht kenne, ruft mich häufig an und erzählt mir von seinen Ängsten. Tag und Nacht hört er Stimmen, die ihn zu Taten anstacheln, die er nicht tun will. Mehrmals hat er einen Selbstmordversuch unternommen, der Gottlob immer vereitelt werden konnte. Ich kann ihm nicht helfen. Aber, wenn ich ihm sage, dass ich für ihn bete, ist ihm schon geholfen. Aber es hält nicht lange an. 

Neulich sagte ich ihm: Ich bin sicher, eines Tages wird sich das für immer ändern. Gott hilft Leuten wie Ihnen. Nun ruft er an und fragt mich, wann das sein wird. Es ist schön, wenn sich ein Mensch die Hoffnung nicht nehmen läßt. Carl Friedrich von Weizsäcker hat einmal gesagt "Man kann in dieser Welt, wie sie ist, nur dann weiter leben, wenn man zutiefst glaubt, dass sie nicht so bleibt, sondern werden wird, wie sie sein soll."

Nein, Die Welt ist nicht am Ziel, sie kann nicht so bleiben wie sie ist, sie soll besser werden. Nur wenn Menschen sich verändern, verändert sich auch die Welt. Vielleicht wird ja dieses Jahr auch eine Veränderung in unser persönliches Leben bringen. So wie bei dieser Frau: 

Sie stellte die Blumen auf das Grab und kniete nieder. Wenn es wahr ist, sagte sie mit geschlossenen Lippen, dass Christus auferstanden ist, dann bist du jetzt bei ihm. Immer wolltest du, dass ich deinen Glauben annehme; allein ich war nicht bereit dazu. Ist es nun zu spät? Sie sagte noch dies und das und stand auf. Sie wischte den Staub von ihren Knieen und ging raschen Schrittes den Hang hinauf, wie einer, der sich vorgenommen hat einen Entschluss in die Tat umzusetzen.

Jesus fordert seine Jünger zum Glauben auf, weil der Glaube allein Nähe, Vertrauen und Zuversicht vermittelt. Gerade, weil nicht alle glauben, ist Glauben teuer. Wir feiern ein Fest und laden alle ein, die an Gott glauben. Ganz festlich soll es da zugehen, weil Christus dabei ist.  Wir feiern ein Fest, das Glaubensfest, wie die Zöllner es taten damals, die zum Glauben kamen. Wenn Gott in unser Haus kommt, werden alle Gäste, die vorher Hausbesitzer waren. 

Nur mit dem Herzen erschrecken, glauben und sehen wir richtig. Gegen das Erschrecken hilft aber allein der Glaube, hilft allein das Vertrauen. Das wissen wir noch aus Kindertagen. Wenn ich als Kind nachts nicht aufstehen wollte um in den Hof zu gehen, weil es dunkel war, half es mir weiter, wenn meine Mutter mir gut zuredete und mir die Angst von der Wange strich. Seit her kann ich der Angst nicht mehr abnehmen, dass sie stärker ist als die Liebe.

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi

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