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Das Thema:

August 2011

Steine am Meer

 

Wir sitzen am Meer im Süden der Türkei und spielen mit Steinen,

die keiner zählen kann.

Möwen fliegen umher.

Schreien und rufen.

Mir ist's, als riefen sie mich.

 

Ich komme, ja ich komme, sage ich,

nehmt mich mit.

Denn überm Meer durch die Lüfte,

wo die Sonne aufgeht,

da ist meine Heimat nah.

 

Dorthin will ich fliegen auf Flügeln der Sehnsucht.

An keiner Grenze halten,

keinem verraten, wer ich bin.

Aber so oft ich auch rufe, sie hören es nicht.


Früher habe ich schon einmal mit Steinen gespielt,

weil meinen Eltern das Geld für Spielsachen fehlte.

Jetzt spiele ich wieder mit Steinen

und bin doch aus dem Alter längst heraus.

Kann mir alles leisten. Sogar Cumputer und Radio.

Was in der Kindheit schön war, ist jetzt wieder schön.

 

Ich suche mir die schönsten Steine heraus;

Lasse sie durch meine Hände gleiten,

werfe sie hoch und fange sie wieder auf.

 

Jeder Stein hat einen anderen Klang,

den nur einer hört,

der sie nicht verachtet.


Meine Frau tut das Gleiche.

Doch, was ich schön finde, ist für sie nicht schön genug.

Die Augen treffen offenbar eine andere Auswahl als die Hände.

 

Für sie sind die Farben und die Muster, von ausschlaggebender Bedeutung.

Ich dagegen entscheide nach Kriterien,

die ich mir selbst nicht immer erklären kann.

 

Formen und Strukturen sind dabei von nicht geringer Bedeutung.

Dazu kommt noch, was ich mir selber in sie hineindenke.

 

Offenbar gibt es eine Instanz in uns,

die darüber entscheidet, was schön und was nicht schön ist.

Ein Musikstück oder eine Stimme, die meinen Ohren wohl tut,

kann bei einem anderen ein Missempfinden hervorrufen.


Möglich, dass meine Nase anders entscheidet, als Ihre.

Es kann durchaus vorkommen, dass ich mich an einem glatten Stein so sehr erfreue, wie ein anderer an einer Fotografie.

Schönheit ist nicht absolut.

 

20 Steine, einzeln ausgesucht habe ich zur Seite gelegt.

Ich will sie mitnehmen für unseren Bibelkreis.

Dann will ich erzählen, was die Bibel über Steine sagt.

 

Es sind kleine Steine, die in eine Schleuder passen,

wie David als Hirte eine hatte.

Mit drei kleinen Steinen hat er den Goliath der Philister zur Strecke gebracht,

der Israel, sein Volk bedrohte.


Dass in Steinen so viel Kraft steckt, kann nur ein Hinweis auf den sein,

der noch stärker ist, als das größte Bergmaßiv.

 

In der Bibel sind Steine Sinnbild und Bedeutungsträger für Gott.

In seiner Not bittet David Gott um Schutz und Bewahrung.

Und ihm fällt nichts anderes ein, als das Bild einer Burg,

die auf Felsen steht:

 

"Sei mir ein starker Fels und eine Burg, betet er,

dass du mir helfest." (Psalm 31)

 

Einen Stein, den hatte auch Jesus sich zum Gleichnis genommen.

Die Bauleute hatten ihn fortgeworfen, weil er ihnen nicht in den Kram passte.

Aber Gott machte daraus einen Eckstein, der Gewölbe zusammen hält.

 

Ob der Zoll es mir glaubt, dass die Steine aus dem Meer

und nicht aus den antiken Ruinen stammen?


Es sind junge Steine. In tausend Jahren und mehr

vom Wasser glatt gespült und zu bizarren Formen geschliffen.

Hier kannst du alles finden, was du an Formen aus dem Leben kennst.


Vergeblich die Mühe zwei gleiche Steine zu finden.

Ich sage, hier muss Gott mit Steinen gespielt haben,

der in allem die Vielfalt liebt.

Hat sogar mit den Fischen gespielt, die die Ozeane füllen.

 

Der Psalmbeter hat ihm dabei zugeschaut.

Im Psalm 104 notiert er:

"Da ist das Meer, das so groß und weit ist.

Da wimmelt's ohne Zahl, große und kleine Tiere.

Da sind große Fische, die du gemacht hast, damit zu spielen."


Ein indisches Sprichwort sagt:

Gott schläft im Stein. Er träumt in den Blumen

und ist im Menschen erwacht.

 

Steine sind versteinerte Zeugen Gottes in unserer Welt.

Johannes der Täufer war der Meinung,

Gott könne sich auch aus Steinen Kinder erwecken.

Und Mose führt es Israel vor, wie Wasser aus dem Felsen fließt,

wenn Gott es will.

 

Es gibt nichts, wodurch Gott nicht sprechen kann.

Er spricht auch durch Steine zu uns.

 

In einem Lied heißt es: Gott weil er groß ist,

gibt am liebsten große Gaben,

ach, dass wir Armen

so kleine Herzen haben.

 

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi