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April 2012

eigentlich wollte ich Ihnen heute etwas anderes sagen, etwas über meine Hoffnung. Doch das kann ich im Augenblick nicht. Denn das Leid ist bei uns eingebrochen, ohne anzuklopfen. Es hat mir alle Trostworte, die ich für andere hatte aus dem Mund geraubt. Eben noch haben wir gesungen: Wir wollen alle fröhlich sein, in dieser österlichen Zeit und schon muss ich am Krankenbett meiner Frau mit dem Liederdichter Theodor Werner beten: "Wie bald verebbt der Tag, das Leben weicht, die Lust verglimmt, der Erdenruhm verbleicht; umringt von Fall und Wandel leben wir. Unwandelbar bist du: Herr, bleib bei mir."!


Den folgenden Text hatte ich noch in gesunden Tagen meiner Frau geschrieben.

Worte, die nicht aus dem Kopf gehen

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt Sätze, die gehen mir nicht aus dem Kopf.

Mal finde ich sie in einem Buch, mal in der Zeitung. Am häufigsten aber schnappe ich sie irgendwo auf.

Sie sind gar nicht so selten, wenn man dafür empfänglich ist. Sie schwirren förmlich durch die Luft, wie Vögel, die unerwartet auftauchen. Mal ist es ein Satz aus dem Radio, mal eine Reklame oder ein Wort, das einer sagt, der gerade an mir vorbei geht.

Kinder können es sein und Erwachsene, jene die klug aussehen und die, denen man es nicht zutraut.

Ich mag es sehr, wenn mich einer zum Nachdenken bringt. Geh aufmerksam deinen Weg, als suchtest du eine seltene Perle; wie jener Kaufmann aus dem Evangelium, der es schließlich fand, was er suchte. Tu, was du tust mit Herz. Vielleicht findest du einen neuen Freund. Sag, was du sagst mit Überlegung. Wer weiß, vielleicht schreibt es einer auf.

Ich habe mir längst einen Schatz an Aussprüchen und Impulsen gespeichert. Manchmal fallen Sie mir ein, auch wenn ich etwas anderes suche, als böten sie sich mir zum Ersatz an:

"Der sicherste Reichtum ist die Armut an Bedürfnissen." (Franz Werfel)

"Die Menschen werden als Original geboren. Aber die meisten sterben als Kopie." (Wandspruch)

"Alle Menschen haben Zugang zu Gott, aber jeder einen anderen." (unbekannt)

"So sehr verlangen wir manchmal Engel zu werden, dass wir vergessen gute Menschen zu sein." (Franz von Sales)

Worte die nicht aus dem Kopf gehen, können Bausteine sein für ein geistliches Haus. Glücklich, wenn ich dann einen Zettel bei mir habe, der meinen Fund davor bewahrt vergessen zu werden.

Früher hatte ich eine kleine Tafel mit einem Griffel in der Tasche. So konnte mir nichts entgehen. Allerdings zog es als seltenes Stück die Aufmerksamkeit der Umstehenden auf sich, was mir alles andere als angenehm war. Heute tut es auch ein Handy, mit dem man nicht nur sprechen, sondern auch Notizen machen kann.

Oft nehme ich vom Gottesdienst nur einen Satz mit nach Hause. Lässt er mir keine Ruhe, mache ich ihn zum Thema für einen Artikel.

Es waren nicht immer Wunder, welche die Menschen in Scharen zu Jesus führten. Er sprach oft in Bildern und in prägnanten Wendungen. Sprüche, die es Wert waren sie zu behalten. Hier einige Beispiele:

"Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken."

"Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen auf die Erde, sondern das Schwert." "Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer."

"Wer mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach."

"Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlege."

Die Evangelien sind nicht am Schreibtisch entstanden. Am Anfang standen kurze Texte wie diese. Erst später kam der Rahmen und die Geschichten dazu.

Jesus sprach nicht zum Aufschreiben, sondern damit seine Zuhörer zu einer anderen Auffassung ihres Lebens fanden. Es war, als würde einer nach Hause kommen und erzählen: Jetzt weiß ich, warum ich auf der Welt bin.

Bei allen Evangelisten stand am Anfang ihres Weges mit Jesus ein folgenreicher Satz, der ihnen nicht mehr aus dem Sinn ging: "Folge mir nach." Auch bei Paulus, war es nur ein kurzer Impuls, der ihn vom Verfolger der Christen zum Verfolgten des Christus machte: "Saul, Saul, was verfolgst du mich." Er wusste sogleich, das ist Jesus.

Welchen Satz mag wohl Nikodemus mitgenommen haben aus seinem nächtlichen Gespräch mit Jesus! Und welcher Gedanke hat die Purpurkrämerin Lydia von Philippi bewegt, dass sie so schnell Christ wurde?

Franz von Assisi hat sein leben in den Dienst Jesu gestellt, weil ihn das Wort aus dem Evangelium nicht mehr verließ: "Verkaufe alles, was du hast und gib's den Armen und folge mir nach."

Die Texte haben es in sich. Bringen wir sie mit dem zusammen, wie wir leben, was wir tun und lassen, sind sie imstande dem einen neuen Glanz und Wendung zu verleihen.

 

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi