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April 2011

Der Bodyguard

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

dann kam Jesus aus dem Gerichtssaal heraus und er trug die Dornenkrone und den Purpurmantel. "Seht euch diesen Menschen an", rief der römische Prokurator Pilatus der Menge zu, "ich bin von seiner Unschuld überzeugt." "Nach unserem Gesetz muß er sterben", sagen die Hohenpriester. Und die Volksmenge schreit: Kreuzige ihn, kreuzige ihn, ans Kreuz mit ihm.

Wofür musste Jesus sterben? Wie Dietrich Bonhoeffer und Martin Luther King für ihre Überzeugungen gestorben sind? Er starb für seine Worte und Taten, dafür dass er von Gott in einer Weise sprach, die für seine Hörer fremd war. Aber was hat das mit uns zu tun?

Einer hat mal gesagt, wie ein Bodyguard sich vor den Präsidenten wirft und sich bis zur Selbstaufgabe für ihn einsetzt, so hat sich Jesus für die Menschen eingesetzt. Wie der Präsident durch die Opfertat seines Leibwächters gerettet wird, bewahrt Jesus mit seinem Kreuzestod die Menschen, vor dem ewigen Untergang.

Die Apostel interpretieren das Kreuz Jesu unterschiedlich. Der Jünger Petrus drückt es in seinem ersten Brief so aus: "Ihr wisst ja, dass Ihr nicht mit Gold oder Silber von eurem nichtswürdigen Lebenswandel freigekauft worden seid, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, dem Blut eines untadeligen und unbefleckten Lammes."

Um im Bild zu bleiben, wer hat auf uns geschossen, dass sich Jesus wie ein Leibwächter vor uns geworfen und uns vor dem Tod bewahrt hat? Petrus sagt: unser nichtswürdiger Lebenswandel, die Sünde, das Böse war es.

Damit die Folgen menschlichen Fehlverhaltens nicht auf den Sünder selbst zurückfallen, gab es im alten Israel einen Brauch, der alljährlich am Jom Kippur, dem Versöhnungstag praktiziert wurde.‏ Der Priester trug das Blut eines Opfertieres, eines "Sündenbocks" in das Innerste des Heiligtums, dorthin, wo sie glaubten, dass Gott anwesend ist.

Diesen Vorgang übertrugen die ersten Christen auf Jesus. Das leuchtete den Juden unter ihnen ein: Jesus ist jetzt unser Priesterlicher Mittler zwischen Gott und Menschen, sagten sie. Er hat sich als Opferlamm schlachten lassen. Er ist sprichwörtlich unser Sündenbock, der neue Ort, wo Gott immer gegenwärtig ist. Er ist unser "Jom Kippur", unser Versöhnungstag.

Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer: Der Mensch kann von sich aus die Forderungen Gottes nicht erfüllen. Seine guten Werke wiegen seine Sünden nicht auf. Also wird er von Jesus erlöst, in dem er sein Fehlverhalten tilgt und es durch seinen eigenen Tod ausgleicht. Von nun an ist der Mensch vor Gott so, wie Gott ihn haben will, begnadigt und gerechtfertigt.

Auf die Frage, für wen oder wofür Jesus gestorben ist, antwortet der mittelalterliche Theologe Anselm von Canterbury: Der Mensch hat durch seinen falschen Lebenswandel Gott zutiefst beleidigt. Das verlangt nach einer Wiedergutmachung. Andererseits ist der Mensch nicht in der Lage Gott zufrieden zu stellen. Also sorgt Gott selber für seine Genugtuung, in dem er Jesus am Kreuz sterben lässt.

Warum macht das Gott? Paulus meint, weil er die Menschen liebt: "Gott beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Nun aber werden wir, da wir durch sein Blut gerecht

gesprochen sind, vor dem Zorn Gottes gerettet werden." (Römer 5,8-9)

Musste sich jemand erst opfern, damit Gott zufrieden ist? Nein, Gott musste nicht beschwichtigt werden, weil er in seiner Ehre irgendwie beleidigt war, sondern wir Menschen brauchten einen Weg, um von der Macht Gottes erfahren zu können. Und wo zeigt sich Gottes Macht am stärksten und wirksamsten? Durch Leiden und Tod hindurch in der Auferstehung Jesu Christi. Gott solidarisiert sich mit den Leidenden, Sterbenden und von Schmerz gepeinigten Menschen. Wo immer Menschen ungerecht leiden und sterben, leidet und stirbt Gott mit. Das ist unser Trost und Zuversicht.

Und so kann Paulus schreiben: Ich bin gewiss, dass weder Hohes noch Tiefes, weder Tod noch Leben uns trennen kann von der Liebe Gottes.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser ein frohes Osterfest.

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi