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 September 2008

Liebe Leserin, lieber Leser,

als ich an einem Tiefpunkt meines Lebens angekommen war, stand der folgende Text als Tageslosung im Herrnhuter Losungsbüchlein: "Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der Herr tut dir Gutes." (Psalm 116,7) Herz- und trostlos erschien mir, was ich da las in der Bibel. Oh nein, was Gott nicht alles einem zumutet! dachte ich. Zufrieden sollte ich mit meinem Zustand sein. Nicht opponieren und nicht klagen, denn Gott tat mir damit offensichtlich etwas Gutes. Wie selbstverständlich bezog ich den Text auf mich selbst. Es kam mir gar nicht in den Sinn den Psalmbeter auch anders zu verstehen. Denn ich hatte gelernt: halte dich ganz an den Text und wende ihn ganz auf dich selber an; denn nur so verstehst du, was Gott dir damit sagen will. Also ja sagen zu dem, was im Begriff war mich in Grund und Boden zu zerstören? Nein, das konnte und wollte ich nicht hinnehmen. Aber Gott absagen und mich allein auf meine Kraft verlassen, das wollte ich auch nicht. Fast tat es mir gut zu klagen und Gott Vorhaltungen zu machen. Ist es nicht genug, was ich zu tragen habe? Musstest du noch eins drauf setzen? Ich glaube, ich bin damals zum ersten mal gestorben. Mittlerweile sind Jahrzehnte ins Land gegangen. Nach Außen hin hat sich nichts geändert, aber nach Innen. Die Wunde von einst hat mich, wie kaum ein anderes Ereignis wesentlich geprägt und ist zum entscheidenden Wendepunkt meines Lebens geworden. Und das war, davon bin ich überzeugt, meine erste Auferstehung. Noch immer staune ich, wie doch Gott imstande ist, selbst schlechte Dinge in Segen zu verwandeln. Aber so war Gott immer schon. Zu seinen Brüdern, die übel mit ihm gespielt hatten sagt Joseph am Ende seines Lebens: "Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen." (1.Mose 50,20) Vor meinem inneren Auge läuft gerade ein Film ab. Ich sehe Menschen und Namen, die ich kenne und die noch leben. Ihnen ist es ähnlich ergangen, wie mir. Und ich sehe Menschen, die gegangen sind, aber ihr Segen ist geblieben. Ohne dass ich mich auch nur im geringsten mit dem leidenden Hiob der Bibel vergleichen will, behaupte ich, dass sein glückliches Ende auch auf mich zutrifft: "Der Herr segnete Hiob fortan mehr als einst." Worin Hiobs Segen konkret bestand, wird anschließend ausgeführt, "so dass er vierzehntausend Schafe kriegte und sechstausend Kamele und tausend Joch Rinder und tausend Eselinnen." (Hiob 42,12). Davon kann ich nur träumen. Dennoch fühle ich mich gesegneter als Hiob, weil Jesus Christus in mein Leben getreten ist. Er ist es auch, der tröstet, wenn aller Trost der Welt kraftlos wird. Er gibt uns, was kein anderer geben kann: er wird uns selber zum Trost. Als Petrus einmal seinen Meister fragt: Wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt, was wird uns dafür? Da weist ihn Jesus auf den Himmel. Kein Leben kann auf Erden vollendet werden ohne Gott. Ich glaube nicht, dass Gott uns etwas Schlimmes schickt, wie hätte sonst sein Sohn Kranke heilen und ihre Wunden verbinden können. Nein, Gott bringt uns nicht in Not. Aber er erfüllt auch nicht alle unsere Wünsche, sondern nur das, was gut ist für uns. Er gibt uns nicht alles, was wir wollen, aber alles, was wir brauchen. Die Frau, die mir ihre Lebensgeschichte erzählte, fragte mich: Glauben Sie, dass Gott meine multiple Sklerose heilen kann? Ich sagte ihr schweren Herzens, heilen ja, aber er macht es nicht. Was ich Ihnen aber aus eigener Erfahrung sagen kann, ist dies: Wenn Sie Gott vertrauen, dann wird Ihnen die Kraft geschenkt als fröhlicher Mensch zu leben. Ja, getreu den Worten Jesu, selber zur Quelle der Freude und Kraft für andere zu werden: "Wer an mich glaubt", sagt Jesus seinen Hörern, "wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen." (Johannes 7,38). Es wird sicher nicht leicht sein, ich kann es persönlich bestätigen, aber möglich. Oft genug vergessen wir, dass Gott nicht nur gerecht ist, sondern auch barmherzig. Die Bibel kennt viele Beispiele, wo Gott seinen Plan mit den Menschen verwirft, um seine Barmherzigkeit zu erweisen. Das macht Mut, vom Gebet nicht abzulassen. Viel Gutes habe auch ich gehabt und jeden Tag kommt Neues dazu. Ich kann es nicht zählen. Aber die ganz Großen zähle ich doch, damit sie einen festen Platz haben in meinem Leben.

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi


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