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Das Thema:

 Oktober 2007

Liebe Leserin, lieber Leser,

während ich mein Brot mit Butter bestreiche, sage ich: Das ist nun das Brot, um das ich Gott gestern im Vaterunser bat: Unser tägliches Brot gib uns heute. Sie sehen, er hat es mir gegeben. Und ich habe nichts weiter getan, als beim Bäcker das Brot gegen Geld einzutauschen. Ist das nicht schön? Augenblicklich wird es still am Tisch. Doch dann bricht einer die Stille und sagt schmunzelnd: "Dann essen wir ja Ihr Geschenk weg"! "Nein", antworte ich, "Sie essen es nicht weg, sondern Sie essen davon. Das ist ein Unterschied. Alle essen von dem Brot, das Jesus in der Wüste segnete und seinen Jüngern gab, dass sie es weitergeben. Auf unserem Brot liegt noch immer der Segen jener fünf Brote und zwei Fische des kleinen Jungen, der Jesus einen Gefallen tat. Handelten alle Menschen nach diesem Muster, gäbe es keine Hungernden. Aber unsere Welt sieht anders aus. Ich für mein Teil werde ich morgen Gott wieder um das tägliche Brot bitten. und ich weiß, er wird es mir geben. Ich werde arbeiten gehen, Geld verdienen und davon die Dinge kaufen, die ich zum Leben brauche. Dann werde ich mit Matthias Claudius sprechen: "Es geht durch unsere Hände, kommt aber her von Gott." Es können und sollen ruhig alle sehen und hören, die Gott lieb hat, die versorgt er auch mit allen Gütern, die sie brauchen. Wir aber sind schlechte Verteiler. Was steht auf Gottes Tisch für uns bereit? Alles das, was wir zum Leben brauchen: Nahrung für den Leib und Nahrung für die Seele. Die Bibel liegt darauf und die Losung mit ihren zwei Worten für diesen Tag. Ein Imbiss für den, der für die langen Texte der Bibel heute keine Zeit hat. Wieder haben wir zu Beginn des Monats das Erntedankfest gefeiert. In den Gemeinden ist es seit Jahren üblich, dass die Erntedankgaben nach dem Gottesdienst von den Besuchern gegen ein kleines Entgeld für einen guten Zweck zurück gekauft werden. Ungesegnet kommen die Blumen, Kartoffel und Kohl, Brot und Äpfel in die Kirche, gesegnet gehen sie wieder hinaus. Am Aussehen und Duft der Dinge ändert sich nichts, wohl aber etwas in den Herzen der Menschen, die ihre Beziehung zu Gott an dem messen, was sie für Gott tun. In der Kirche scheint der Himmel offener zu stehen, der Segen üppiger zu fließen, als zu Hause, wo Zank und Streit von Generationen noch in Wänden und Möbeln steckt. In der ehemaligen DDR sagten die Machthaber: "Ohne Gott und Sonnenschein, bringen wir die Ernte ein." Da hatte einer unter dem Slogan geschrieben: "Ohne Sonnenschein und Gott, macht die LPG bankrott." Der reiche Kornbauer im Evangelium hat trotz seines Reichtums Bankrott gemacht, weil er zwar reich an Gütern war, aber nicht reich an Gott. Klug kann man auch ohne Gott sein, aber nicht weise. Allein die Furcht des Herrn macht "weise" im Sinne von gläubig. Aus dem Glauben aber erwächst eine Klugheit, die zu Gotteslob führt. (Psalm 111,10) Des Brot ich esse, des Lied ich singe, heißt ein Sprichwort. Weil ich Gottes Brot esse, kann ich auch nur Gott zu Ehren singen. Wäre der reiche Kornbauer weise gewesen, wäre sein hochmütiges Selbstgespräch zum demütigen Gebet geworden. Etwa so: Gott ich danke dir, dass du mich so reich gesegnet hast. Ich freue mich darüber und bitte dich, bewahre mich davor mein Herz daran zu hängen. Mach mich willig davon abzugeben wo Not ist. Wer Gott um das tägliche Brot bittet, der wird frei von dem Zwang, alles, was er zum Leben braucht selber machen zu müssen. Er überlässt Gott die Sorge für das Gelingen oder Misslingen seiner Arbeit. Jesus verbietet förmlich die Sorge um Nahrung und Kleidung, denn Gott weiß dass wir das alles brauchen: "Sorget nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung?" (Matth.6,25) Unser tägliches Brot gib uns heute. Martin Luther sagt zu dieser Bitte des Vaterunsers: Gott gibt uns das tägliche Brot auch ohne dass wir ihn darum bitten. Aber, wenn wir ihn darum bitten, dann geben wir zu, dass unser Leben uns von Gott gegeben ist. Seit ich so denke, habe ich einen gewissen Abstand zu den Dingen des täglichen Lebens gewonnen. Und das tut mir gut.

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi


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