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Das Thema:

 Mai 2007

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Frau kniete nieder und stellte die Osterglocken auf das Grab. Dann strich sie mit der Hand darüber und legte ihre Hand auf den Grabstein. Dann sagte sie: "Wenn es wahr ist, dass Christus auferstanden ist, dann bist du jetzt bei ihm, dann geht es dir gut. Es wird auch mir wieder gut gehen. Ich weiß es jetzt." Sie strich noch einmal über die Blumen, die jetzt alle offen waren und stand auf. Sie ging den Berg hinauf, wo sie am Morgen gekommen war. Einige Male noch wandte sie sich um wie zum letzten Gruß, ehe sie hinter dem Berg verschwand. Wie urplötzlich wird Menschen Hoffnung geschenkt, die noch bis vor kurzem verzweifelt waren. Niemand kann es sich erklären, woher es kommt und wie es geschieht. Aber es geschieht. "Der Wind bläst, wo er will", sagt Jesus seinem nächtlichen Besucher Nikodemus. "Du hörst sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt." (Joh.3,8) Wie willst du Gottes Plan durchschauen? Können Sie sich noch an das letzte Wort erinnern, das er sagte, ehe er sich von Ihnen für immer verabschiedete? Das letzte Glas, aus dem er trank, haben Sie es aufgehoben? Der kleine "Prophet" hinter Ihrem Teller, den Löffel meine ich, der auf etwas hinweist, das Sie noch nicht haben zur Krönung der Mahlzeit, welchen Einfluss übt es auf Sie aus? Oft ist es ein Happen nur, von dem aber viele sagen, es sei das Beste vom Ganzen. Die letzten Dinge haben etwas Geheimnisvolles, man weiß nicht was danach kommt. Wenn wir Gäste verabschieden, geben wir ihnen ein gutes Wort mit auf den Weg. Es will gut überlegt sein, was wir ihnen mitgeben. Denn es soll ja so lange halten, bis wir uns wiedersehen. Christen stellen den Besucher und den Besuchten unter Gottes Schutz und Segen. Als ich vor Jahren bei einer Firma telefonisch Kassetten bestellte, verabschiedete sich der Verkäufer von mir mit den Worten: "Ich wünsche Ihnen Gottes Segen." Sie können sich wohl vorstellen, wie erstaunt und verblüfft ich bei diesen Worten war. Ich habe es bis heute nicht vergessen, weil es ein gutes Wort war. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: "Das Wort, das dir hilft, kannst du dir nicht selber sagen. Das muss ein anderer tun."  Es ist wahr, das Eigenlob stinkt, aber das des Nachbarn baut auf und spornt an. Hier kommt uns das Evangelium von Jesus Christus als Hilfe entgegen, wenn wir es zu allererst für uns persönlich lesen und nicht nur um zu predigen oder es als Waffe zu benutzen. Ein Tag, der damit beginnt, fängt ganz anders an. Es ändert sich etwas, wenn wir uns Zeit für Gott nehmen. Und Wenn wir uns nicht ändern, ändert sich Gott für uns. Die Geschichten der Bibel sind voll davon: "Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen." (Psalm 50,15) Manchmal trauen wir uns nicht ein lobendes Wort zu sagen. Aber ohne Hemmung rutschen uns allerlei hässliche Dinge von der Zunge. Was kann man dagegen tun? Die Frage stellte sich auch der Apostel Petrus und antwortete darauf: "Suche Frieden und jage ihm nach." (1.Petr.3,11) Gemeint ist ein Friede, der nicht am runden Tisch gemacht wird, sondern durch Christus am Kreuz. Hände, die sich zum Gebet falten, können nicht zur Waffe greifen, hat einmal einer gesagt. Dann sind wir zwar immer noch keine Engel, aber Menschen, die wissen, wo ihnen geholfen wird wenn sie nicht mehr weiter wissen. Das Gebet, das die Frau am Grab sprach, wurde ihr zur Hilfe für ihren weiteren Weg. Es musste nur gesprochen werden. Wer hätte gedacht, dass Osterglocken so viel Hoffnung verbreiten können!

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi


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