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Das Thema:

 März 2008

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt eine Geschichte im Lukas Evangelium, die mich an meine Sünden erinnert, die einfach nicht sterben wollen. Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Er geht diesen Weg zum letzten mal. Er kommt aus Galiläa und muss durch Samarien. Was ihm unterwegs so durch den Kopf geht, können wir uns fast denken. Er geht den Weg zum Kreuz. Wie immer begleiten ihn seine Jünger. Er muss durch das Gebiet der Samariter. Ohne eine Zwischenübernachtung werden sie den langen Weg an einem Tag nicht schaffen. Sie müssen wenigstens einmal unterwegs übernachten. Aber wo und bei wem? Er schickt Jakobus und Johannes, zwei seiner Begleiter in ein Dorf, dass sie für ihn ein Quartier besorgen. Aber ohne Erfolg. Keiner der Anwohner ist bereit Jesus bei sich aufzunehmen. Begründung: "darum, weil er sein Angesicht gewendet hatte, zu wandern nach Jerusalem." (Luk.9,54) Daran mag Johannes denken, wenn er in seinem Evangelium notiert: "Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf." (Joh.1,11) Die Samaritaner und Juden waren auf einander nicht gut zu sprechen. Die beiden Jünger fragen nun Jesus, ob sie nicht zur Strafe das Dorf mit Feuer vom Himmel (Blitzschlag) bombardieren sollten. Sie denken an die Elija Geschichte, wie er 800 Jahre zuvor die Baalpriester auf die gleiche Weise umgebracht hatte, weil sie ihre Knie vor Gott nicht gebeugt hatten. Erstaunlich, wie ganz anders Jesus auf diese Enttäuschung reagiert. Er weist die Rachegelüste seiner Jünger mit Nachdruck zurück: "Wisst ihr nicht wes Geistes Kinder ihr seid?". "Der Menschen Sohn ist gekommen Leben zu retten und nicht zu verderben." Und nun kommt meine Geschichte. Jedes mal, wenn ich zu dieser Bibelstelle komme, fällt mir auch meine Sünde ein. Vor Jahren fragte mich ein Landsmann, ob wir nicht vorübergehend für ihn einen Schlafplatz hätten, bis er eine dauerhafte Bleibe gefunden hätte. Selbst mit einem Eckchen in unserem Badezimmer wäre er zufrieden gewesen. Ich habe aber seine bitte wegen Platzmangel abgeschlagen. Ich wollte mich nicht auf etwas einlassen, dessen Ausgang ungewiss war. Ich hatte einfach kein gutes Gefühl dabei. Obwohl er längst unschwer festgestellt haben musste, dass wir über eine verhältnismäßig große Wohnung verfügten. Inzwischen sind viele Jahre ins Land gegangen. Dass ich aber immer noch mit Reue daran denke, zeigt, dass ich es innerlich nicht überwunden habe. Für Jesus allerdings hätte ich Platz gehabt, selbst wenn ich im Keller oder Dachboden schlafen müsste. Jeden Tag bete ich: Komm Herr Jesus, ein Platz im Haus ist frei für dich. Aber er kommt leider nicht selber. Er schickt immer seinen Bruder oder Schwester voraus. Und meistens die Ärmsten und Schwächsten unter ihnen zuerst. Vielleicht sollen sie ja wie Johannes und Jakobus für ihn die Stätte vorbereiten, wo er dauerhaft wohnen kann. Christus dauerhaft bei uns; das wird ein Tag sein! Wir haben noch nicht alles. Es kommt noch etwas. Christus kommt. Kein Haus bleibt ohne Segen, wo Jesus einkehrt darin. Wenn wir das immer wüssten. Wenn ich Haus sage, meine ich beides, Haus und die aus und eingehen darin. Der Evangelist Lukas erzählt auch von dem Zöllner Zachäus, der glücklich wird, weil Jesus in sein Haus kommt. Wir wissen oft gar nicht, wie schön es ist, wenn man Christ sein darf. Christen sind glücklicher. Sie haben Gott bei sich. Nicht als Besitz, aber in Rufweite. Vielleicht ein Vorgeschmack auf das, worauf sie warten. Das schützt zwar nicht vor Dummheiten, aber davor, dass wir allein unsere Straße ziehen.

Nach so vielen Jahren frage ich mich wieder: wie würdest du dich heute entscheiden, wenn dich einer fragt, haben sie einen Platz für mich, so groß, wie ihr Badezimmer. Ich maße mir nicht an, dass ich ein für alle mal daraus gelernt habe. Sicherheit und Bequemlichkeit haben für mich auch heute noch einen hohen Stellenwert. Ich bin aber zu dem Schluss gekommen: Ich werde auch künftig Fehler machen; vielleicht sogar noch gröbere und schlimmere. Aber ich will mich nicht daran gewöhnen. Ich will, dass mein Gewissen mich weiterhin beunruhigt und die Bibel mir Wege zeigt, wie ich das Gespräch mit Gott weiter intensiviere. Wer sich mit Gott beschäftigt, beschäftigt sich weniger mit sich selber.

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi


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