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Das Thema:

 März 2007

Liebe Leserin, lieber Leser,

vielleicht gehören auch Sie zu den Christen, die in den sieben Wochen vor Ostern fasten.

Wir verzichten auf etwas Liebgewordenes, um uns selber zu prüfen, wie weit wir noch frei sind von Bindungen, die uns gefangen halten. Haben wir die Dinge im Griff oder sie uns?

Die Antwort ist nicht einfach. Nur durch Übung im Fasten erhalten wir Klarheit. Wir verzichten freiwillig für eine bestimmte Zeit nicht nur auf Rauchen oder Alkohol, auf Süßes oder Fernsehen. Was uns vielleicht noch schwerer fallen mag, sind die seelischen Regungen des Herzens. Hab ich mich noch in der Gewalt, um nicht Gleiches mit Gleichem heimzuzahlen? Wut und Zerstörung haben ihre Wurzeln in den Gefühlen, über die wir oft nicht Herr sind. Welchen Raum nehmen Genuss, Eitelkeit oder Begierden in meinem Leben ein? Bin ich bereit mich im Straßenverkehr so zu verhalten, dass der Andere sich wundert oder gar freut? Wir müssen ja nicht so weit gehen wie Jesus, der für den Menschen in den Tod gegangen ist.

Und was ist das Ziel des Fastens, das ja nur ein Teilfasten ist? Wir enthalten uns einer bestimmten Sache, um etwas Größeres und Besseres zu erreichen. Ich muss nicht alles und zu jeder Zeit haben. Es geht auch ohne. Wer entbehren kann ist glücklicher. Was ist aber das Bessere und Größere, das wir erstreben? Es ist die Freiheit von den Bindungen, die uns gefangen halten. Niemand kann sich wahrhaft frei nennen, solange die Dinge über ihm stehen. Durch gelungenes Fasten werden wir hellhöriger und aufmerksamer für Dinge, die wir leicht übersehen und überhören. Und wir freuen uns schließlich darüber, dass wir nicht den Verlockungen unterlegen sind.

Menschen die gefastet haben, erzählen von dem Gefühl, das sie überkam, als die Fastenzeit vorüber war. Eine Frau sagte: Als mein Fasten beendet war, war auch mein Selbstwertgefühl wieder da.

Unser Fasten geht auf Jesu Fasten zurück. Nach seiner Taufe ging Jesus in die Wüste um dort sich auf den Dienst vorzubereiten, der sein Auftrag auf Erden war. Er enthielt sich 40 Tage und Nächte jeglicher Nahrung und Wasser, betete und fastete. Im Fasten sind die Versuchungen stärker. Noch massiver waren sicher die Versuchungen, denen Jesus ausgesetzt war.

Das Evangelium erzählt, in dieser Situation kam der Teufel in Gestalt von Hunger und Durst, Begierden und Eitelkeit zu Jesus: Mach aus diesen Steinen der Wüste Brot und genieße es. Wenn du Gottes Sohn bist, dann sei nicht stolz und stürze dich von hier hinunter, Gott wird dich schon bewahren. Der Teufel versucht in einem letzten Aufbäumen an der Stelle Jesus anzupacken, wo jeder schwach wird, an der Schönheit und Ästhetik. Er zeigt ihm alle Pracht der Welt und fordert ihn auf, dafür vor ihm nieder zu fallen.

Schwer, nach 40 Tagen der Entbehrung, all den Gelüsten des Leibes und der Seele zu widerstehen. Aber im Gegensatz zu Adam und Eva im Paradies siegt Jesus über den Teufel. Sein Triumph ist nicht nur die Frucht der Selbstbeherrschung, sondern vor allem hat die Einsamkeit und die Stille der Wüste, das Beten und Fasten ihn stark gemacht und seinen Geist geschärft. Auch später sucht Jesus immer wieder die Wüste auf, um Kraft zu schöpfen. Es fällt auf, dass Jesus gegen die Versuchungen nicht mit rationalen Mitteln vorgeht, sondern mit Gottes Wort. Dadurch zeigt er auch uns den Weg, der uns aus den Versuchungen herausführt. Allein das Wort Gottes hat die Kraft Berge zu versetzen, auch die Berge unserer Versuchungen.

Am Ende der Geschichte wird erzählt: "Und siehe, da traten die Engel zu ihm und dienten ihm." (Matth.4,14)Nur den Demütigen wird es gegeben die Herrlichkeit Gottes schon hier auf Erden zu schauen.

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi


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