Startseite
uhr
   

Das Thema:

 Juni 2007

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Schönste hat er für den Schluss aufgehoben, denke ich, während ich die Kirche verlasse. Die Worte klingen noch in meinen Ohren nach: "Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir  und sei dir gnädig". Jetzt schaut uns Gott liebevoll an und wir haben doch nichts dafür getan. Woher kommt dieses unerwartete Gefühl, das plötzlich über einen kommt und uns heiter, ja fröhlich stimmt? Die Kirche war voll. Alle haben dasselbe gehört, aber haben sie alle auch dasselbe gefühlt? Ich weiß es nicht. Von 12 Jüngern haben nur drei die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu geschaut, als sie auf dem Berg der Verklärung waren. Noch als alte Männer erinnern sich Petrus und Johannes daran: "Wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen." (2. Ptr. 1,16. Joh. 1,14) Sie schreiben davon, damit die es lesen, sich auch dafür bereit halten. Es kann ganz schnell gehen, dass über einem der Himmel aufgeht und ein Topf voll zusätzlicher Freude und Hoffnung uns geschenkt wird. Heilige Orte sind nicht unbedingt dafür prädestiniert. In meinem Arbeitszimmer sitze ich oft unter offenem Himmel. Ich wünsche jedem solche Augenblicke. Sie dauern nicht lange, aber sie haben nachhaltige Wirkung auf unseren Tag und Arbeit. Sie ereignen sich an Stellen, wo wir sie vielleicht nicht erwarten. In Räumen, wo viele Menschen zusammen kommen und dort, wo einer allein ist. Draußen in der frischen Luft, wenn wir morgens das Fenster öffnen und wenn einer die Hände faltet. Rechnen können wir nicht damit. Aber von Gott erwarten, dürfen wir alles. "Bittet, so wird euch gegeben. Klopft an, so wird euch aufgetan.", sagt Jesus zu denen, die seiner Predigt zuhören (Matth.7,7). Bittet um alles, wirklich um alles und traut ihm zu, dass er euch gibt, was ihr braucht. Berge können sich dann in Hügel verwandeln und endlose Nächte in helle Morgen einmünden, wenn wir auf Gott vertrauen. Probleme und Schwierigkeiten werden dadurch nicht klein geredet. Sie werden wirklich kleiner und beherrschen nicht unser Denken und Fühlen. Wie viele Menschen trachten danach nur Menschen zu gefallen und zwar in Worten und Werken, in Gedanken und Gefälligkeiten. Sogar im Dienst an Gott suchen wir unseren Vorteil. Bei näherem hinsehen, kann man darüber erschrecken, wie egoistisch und selbstgefällig wir oft leben. Jesus dagegen sagt, wer nach Gott fragt und seinem Willen, wer sich bemüht das zu tun, was Gott gefällt, der wird am Ende auch Menschen, ja, sich selber gefallen. Können wir denn wissen, woran Gott Freude hat? Wir können es uns denken. Das, was Menschen und Tieren, Pflanzen und der Erde gut tun. Man braucht nur ein mal die Bibel aufzuschlagen. Es gab eine Zeit in meinem Leben, da hatte ich wenig Zeit für Gott. Die Folge war Armut des Herzens und der Seele. Wenn ich predigte, redete ich zwar viel, hatte aber wenig zu sagen. Es änderte sich erst da, als ich begann Gott zu lieben. Wie es dazu kam, kann ich nicht erklären. Sicher hatte es auch damit zu tun, dass ich mich selber mehr liebte als Gott. Auch heute bin ich nicht frei davon. Aber ich spüre deutlich eine Veränderung in mir, die ich darauf zurückführe. Menschen, denen es heute so geht, wie mir damals, empfehle ich Folgendes: Nehmt euch Zeit für Gott. Redet selber nicht viel, hört mehr zu, damit ihr sensibel werdet für die Sprache der Seele. Gott spricht nirgends und zu keinem deutlicher als in der Bibel. Wer auf Gott wartet, den holt er bald aus seinem Wartezimmer in sein Sprechzimmer. Ich halte viel davon, wenn Menschen feste Zeiten für ein Gespräch mit Gott haben. Das macht uns von Gott und Gott von uns abhängig. Denn auch Gott wartet auf uns. Wenn nun aber das Schwerste kommt, was kommen kann, wenn man auf Gott wartet, dass nicht Gott, sondern der "Versucher" kommt, wie damals zu Jesus in der Wüste, dann schickt ihn fort Kraft eurer Liebe zu Gott. Ich bin gewiss, er wird ihnen nicht weniger gehorchen müssen als Jesus. Denn die Kraft der Liebe ist stärker als alle Macht des Bösen.

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi


zurück zur Übersicht