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Das Thema:

 Juli 2008

Liebe Leserin, lieber Leser,

können Sie es mir bestätigen? Worauf es eigentlich im Leben ankommt kaufen wir nicht in Geschäften, sondern holen es aus uns heraus oder lassen es uns schenken. Das Leben bietet so viele Möglichkeiten dafür, dass wir es niemals ausschöpfen werden. Einiges ist Geschenk des Himmels, anderes wird uns zu Hause am Schreibtisch oder am Arbeitsplatz geschenkt. Wieder anderes bekommen wir in der freien Natur, wenn wir die Wiesen und Felder betrachten. Manchmal muss man sogar erst reisen und eine lange Wegstrecke zurück legen um in den Genuss eines Geschenkes zu gelangen. Ja, sogar die Nächte bleiben nicht ohne Überraschungen. Wie viele gute Ideen und Gedanken sind uns erst im Bett gekommen. Ganz zu schweigen von dem guten Schlaf, der die eigentliche Gabe der Nacht ist. Wovon wir also leben, ist zutiefst unverkäuflich. Jesus kannte das auch und nannte es "Gottes Wort". Vor Kurzem waren wir in Kairo. Nicht lange, nur einen Tag und eine Nacht. Wir, das sind meine Frau und ich, eingebunden in eine Reisegruppe, die von unserem Urlaubsort am Roten Meer aus einen Ausflug unternahm. Vieles, was wir in dieser kurzen Zeit erlebt haben, ist uns zum bleibenden Geschenk geworden. Davon möchte ich mehr erzählen. Vielleicht fallen dann auch Ihnen Ihre eigenen Erlebnisse ein, die Sie nicht mehr aus Ihrem Leben wegdenken können. Alles haben wir in Kairo gemeinsam gesehen, gehört und gefühlt. Aber mit nach hause genommen, hat jeder nur das, was seine Seele berührt hat. Es ist wie bei einer Predigt. Alle hören den gleichen Bibeltext, sehen den gleichen Menschen und hören die gleiche Stimme. Aber jeder nimmt etwas anderes mit nach Hause, als der Nachbar zur Rechten und zur Linken. Ich glaube Gott passt sich unseren Bedürfnissen an. Gibt jedem aus der gleichen Quelle etwas anderes. Das, was er gerade braucht. Ich halte mich wie immer an die kleinen Dinge des Alltags. Es sind kurze Episoden, die man am besten allein erlebt. Zum Beispiel diese drei Geschichten: 1. Als wir sein kleines Eckgeschäft verließen, das so groß war, wie unser Badezimmer zu Hause, drückte er uns einen Kugelschreiber in die Hand mit der Nofretete darauf und sagte in Worten, die aus mehreren Sprachen zusammengesetzt waren: "Nehmen Sie es mit nach Hause, damit Sie immer an mich denken." Dabei hatten wir gar nichts bei ihm gekauft. Was hat er davon, wenn wir im fernen Europa an ihn denken? Dieser Gedanke hat mich bis heute nicht verlassen. Vielleicht ist das gute Gefühl, uns kennengelernt zu haben, das , was wir nicht verlieren sollten. Dafür sollte der Schreibstift das Zeichen sein. In unserer Wohnung stehen und liegen viele kleine Gegenstände, die mich an Menschen erinnern, denen ich im Laufe meines Lebens begegnet bin. Viele von ihnen leben nicht mehr.

Aber die Erinnerungsstücke lassen unsere Erlebnisse wieder lebendig werden. Heute morgen sagte meine Frau, immer wenn ich die Azalee am Fenster sehe, fällt mir Frau K. ein. Da sieht man wie machtlos im Grunde der Tod ist. Er kann uns die Freude der Erinnerung nicht nehmen.

2. Wir saßen im Kaffee in einem der Basarstraßen und tranken unseren arabischen Kaffee aus kleinen Puppentassen. Übrigens, sehr zu empfehlen. Wir sahen und hörten dem Tun und Treiben von Hunderten, vielleicht auch Tausenden, die nebeneinander und durcheinander einen fürchterlichen Lärm verursachten. Ein Händler versuchte meiner Frau weiß zu machen, dass sie einen Schaal braucht. Wir bezahlten unseren Kaffee und stellten uns zu unserer Gruppe, um nicht die Abfahrt zu verpassen. Aber wie groß war doch unser Staunen, als plötzlich der Barkeeper auftauchte und die Hälfte unseres Geldes zurückbrachte. Dabei hatte der Kaffee nur wenige Cent gekostet. In einem Land, wo Betrug und Schwindel fast notwendig ist, um zu überleben, ist das ein Zeichen der Hoffnung. Daran erkennt man am Besten, dass die Erde ein Teil des Himmels ist, dass die Menschen ehrlich sind.

3. Wir haben nur noch wenig Zeit, bis unser Bus am späten Abend Kairo verlässt. Wir werden wieder 6 Stunden non stopp durch die Wüste fahren müssen um unseren Urlaubsort zu erreichen. Also machen wir uns rasch auf den Weg, eine Toilette zu finden. Gleich der erste Mann, den wir danach fragen, erklärt sich zu unserem Führer und geht mit uns durch schmale und winkelige Gassen. Treppe auf, Treppe ab, an Menschenmassen und an bergeweise Waren aller Art vorbei, bis wir im 3. Stock eines Hauses landen. Glücklich am Ziel angekommen drücken wir dem freundlichen Mann etwas in die Hand und sind für uns allein. Wir überlegen uns wie wir wieder aus diesem Labyrinth heraus kommen. Große Augen, als wir wieder draußen sind. Der Mann steht noch da wie ein treuer Wachhund und wartet auf uns um uns sicher zu unserem Buß zu geleiten. Unterwegs sagt er etwas wie von einem "Hotel". Wir deuten es auf unsere Weise: In Kairo muss man erst in ein Hotel gehen, um eine Toilette zu finden.

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi


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