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Januar 2012

Die Engel

 

Liebe Leserin, lieber Leser,


bei einer privat durchgeführten telefonischen Umfrage unter 30 gemeindenahen Teilnehmern, gaben 80 Prozent der Befragten an, dass sie ihren Schutzengel mindestens ein mal erlebt hätten. Recht anschaulich schilderten sie, wo und in welcher Situation sie ihn gesehen oder gespürt hatten. Hier einige der Geschichten:

Ist lange her, da stand ich am Rande eines Abgrundes und wusste es nicht. Plötzlich hörte ich eine Stimme von irgend woher, die sagte: "nicht weiter gehen". Ich habe es für eine Menschenstimme gehalten. Aber vielleicht war es auch eine Engel oder Gottes Stimme.

Während wir beim Frühstück zusammen saßen, wurde ich plötzlich unruhig. Ich konnte nicht anders. Ich musste aufstehen und nach unserer anderthalb jährigen Tochter schauen, die eine Treppe höher schlief. Welch ein Schrecken, sie war gerade dabei über das Gitter ihres Bettes zu klettern als ich eintrat. Nicht auszudenken, wenn sie auf die Fliesen gefallen wäre. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Unruhe ein Fingerzeig Gottes war.

Wann kommt ein Engel? Wohl dann, wenn der Blick nach Innen ausgerichtet ist: - Wir saßen zu zweit im Schlauchboot und betrachteten die untergehende Sonne. Später erzählte meine Freundin, dass sie dabei einen Engel gesehen habe, gleich dem, den sie im Hauseingang hängen hatten.

Engel können auch Menschen sein, die einem mit einem Wort oder einem Gespräch weiter helfen. - Wenn ich ein Buch oder einen Text lese und etwas nicht verstehe, dann kommt mir manchmal ein Engel zu Hilfe. - Oft sind mir sogar eine Mail oder eine SMS aber auch ganz gewöhnliche Briefe zum Engel geworden, die mir Mut und Hoffnung zusprachen und eine neue Sichtweise der Situation eröffneten.

So lange Gott vom Menschen getrennt ist, brauchen wir Engel als Mittler und quasi Briefträger, die eine Botschaft hin und her tragen. Dafür haben wir viele Beispiele in der Bibel.

Der Weihnachtsengel kommt zu Maria, als sie allein ist. Das Erlebnis ist für sie so einschneidend, dass sie noch nach Jahren weiß, wie der Engel hieß, Gabriel.

Auch der Priester Zacharias, mit dessen Frau Maria verwandt war, hatte eine Engelbegegnung. Das war im Gottesdienst, während er Gott ein Räucheropfer dar brachte. Er hat sich sogar Einzelheiten gemerkt, wo der Engel stand, als er zu ihm sprach: rechts vom Altar und dass von all dem die Gottesdienstbesucher nichts sahen und nichts hörten.

Um Weihnachten sind die Engel besonders geschäftig. Sie stehen in vielen Formationen auf Weihnachtsmärkten, in Schaufenstern und Kinderzimmern. Oder sie präsentieren sich als Gemälde, schön eingerahmt hängen sie an der Wand.

Auch wir haben zu Hause einen Engel aus Kindertagen meiner Frau, der zwei Kinder beschützt, die über ein Wasser gehen.

Müssen Engel Flügel haben? Wie sehr sich die Dienste der Engel und der Menschen ähneln, erfahren wir aus dem Gedicht von Rudolf Otto Wiemer: "Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel. Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand, oder er wohnt neben dir, Wand an Wand, der Engel. Dem Hungernden hat er das Brot gebracht. Dem Kranken hat er das Bett gemacht, und hört, wenn du ihn rufst, in der Nacht, der Engel."

Das Gedicht macht klar, dass Menschen, die helfen, trösten, aber auch mahnen, unsere eigentlichen Engel sind. Jeder kann jedem ein Engel sein, auch ohne Flügel.

Warum soll Gott nicht Engel schicken können, die so wie alle anderen Menschen aussehen! Gottes Engel fliegen auch ohne Flügel. Vielleicht begreifen wir erst viel später, dass es wirklich seine Boten waren, die zu uns auf die Erde kamen. Aber solange wir alle nicht wissen, wie Engel wirklich aussehen, müssen wir uns mit denen behelfen, die wir hier haben.

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi