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Das Thema:

 Januar 2008

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wenn das Jahr zu Ende geht und ein Neues beginnt, fallen uns nicht allein unsere Versäumnisse ein. Das Gefühl der Dankbarkeit kann sogar stärker sein. Hoffentlich haben Sie einen, an den Sie Ihren Dank richten können. Wenn nicht, gebe ich Ihnen meinen, damit Sie nicht sich selber danken müssen. Vielen Dank, wollt ich Dir sagen, für alles, vielen Dank. Für 366 Tage im voraus vielen Dank. Dass die Füße uns noch tragen und der Kopf weiß, wie der Tag heute heißt, dafür herzlichen Dank. Dass der Schmerz im Bauch weg ist und ich diesen Brief schreiben kann, macht mir gar Lust auf mehr zu hoffen. Und das andere, du weißt schon, geht ja nur uns beide an. Aber die Freude daraus darf ich mit andern teilen. Dafür einen leisen, aber innigen Dank. Vielen Dank, für die Menschen, die mir das Gefühl geben, ich bin nicht allein. Wie bist Du bloß auf die Menschen gekommen, die nur "wenig niedriger sind als Gott" (Psalm 8). Herzlichen Dank für das Feuer der Weihnacht, das niemals ausgeht und die Kinder uns daran erinnern, wie sie sind, war unser Heiland auch: klein und hilflos, wie alle Kinder sind. Vielen Dank, dass die Sonne wieder scheint und die Wolken fort sind nach Afrika. Damit ich es nicht vergesse, auch wenn es nicht ganz hierher passt: Vielen Dank für den Rotwein zum Essen und den Kaffee am Morgen. Für den allerersten Schluck einen doppelten. Vielen Dank für den Schlaf  ohne Tablette und den letzten Traum. Ich habe ihn mir gleich aufgeschrieben, damit ich ihn behalte. Danke, danke, dass du wegschaust, wenn ich ganz böse bin. Für das Mitleid mit mir, vielen Dank. Dass du Mensch wurdest, um die Menschen zu verstehen, herzlichen Dank. Heute kam einer von dir, weil du selber nicht kommen kannst. Heute sagte einer zu mir, weil du es mir nicht sagen kannst: "Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind."  Dieses Wort hat mich oft getröstet, wenn die Dunkelheit mich zu erdrücken drohte. Nicht die Dunkelheit, die draußen herrscht, sie geht ja bald vorbei. Die von drinnen ist viel schlimmer.

Ein Freund gab mir den Rat, im neuen Jahr fünf Minuten am Tag auf meine Seele zu hören. Was von da unten aufsteigt an Gedanken, Bildern, Hoffnungen, Vorstellungen und Sehnsüchten steht nicht im Kalender, der meinen Tag bestimmt. Ich möchte, dass in allem Gott drinn ist, was ich tue und lasse. Selbst wenn ich Fehler mache, mich irre und schuldig werde. Dennoch soll Gott dabei sein und mich schützen vor noch Ärgerem. Ja, ich bekenne freimütig, ich mache meine Fehler lieber mit Gott, gegen Gott, als ohne Gott. Mein Trost ist der Jünger Petrus, den sein Meister zweimal in die Nachfolge gerufen hat. Das zweite mal, als dieser ihn vor dem hohen Rat in Jerusalem verleugnet hatte: Petrus, Jonas Sohn, hast du mich lieb? Ja Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe. Dann folge mir nach. (Joh.21,15-19) Wenn die Seele spricht, wie könnte der Mund schweigen oder die Füße und Hände stillhalten? Ein Tag, der so begonnen hat, soll auch so enden. Dann will ich mich dorthin setzen, wo ich am Morgen saß. Und will aufsammeln und zusammen tragen, was ich über den Tag verstreut, an Gutem und Schlechtem. Ich will es tragen zu dem, der bei allem dabei war und sein wird, wenn auch dieses Jahr zu Ende geht. Er soll alles sortieren und trennen und darauf sein Urteil und Amen sprechen. Das habe ich mir für dieses Jahr fest vorgenommen. Ich wünsche Ihnen ein gutes und gesegnetes Jahr 2008.

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi


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