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Das Thema:

 Januar 2007

Liebe Leserin, lieber Leser,

zu Beginn des neuen Jahres haben die Wünsche Hochkonjunktur. Wo man hinkommt, hört man von Wünschen. Wünsche, wenn wir zu Besuch kommen. Wünsche, wenn wir wieder gehen. Wünsche, dass alle gesund bleiben und das Glück uns nicht vergisst. Wünsche am Krankenbett zur Genesung, Wünsche in der Umarmung, dass es dich gibt. Wünsche auf dem letzten Weg, wo keiner mehr zurück kommt. Wünsche für das neue Jahr, dass alles noch besser wird. Wünsche an Gott, er möge noch ein Jahr zulegen.

Jeder wünscht jedem etwas Gutes. Dabei weiß jeder auch: das Meiste davon wird unerfüllt bleiben.

Das hat sicher damit zu tun, dass wir mit dem neuen Jahr Ängste und Hoffnungen verbinden. Einerseits freuen wir uns, dass etwas Neues beginnt. Aber keiner weiß genau, ob ihn etwas Gutes erwartet oder ihm eine böse Überraschung ins Haus steht. Gute Wünsche sind da wie ein Schutz. Es tut gut zu wissen, dass der Andere auf meiner Seite steht und mir wohl gesonnen ist.

Freilich, die schönsten Wünsche sind mehr als ein oberflächliches "gutes neues Jahr" oder ein fragwürdiger guter "Rutsch". Christen wünschen sich Gottes Segen. Sie rufen Gottes heilende und erlösende Kraft auf jemanden herab. Sie sagen, Gott: kümmere dich bitte um diesen Menschen.

Wir wünschen Gottes Segen, weil wir überzeugt sind, dass nicht ein blinder Zufall das Jahr und damit die Zeit in Händen hat, sondern Gott, dem wir unser Leben verdanken. "Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen", singen wir in einem Kirchenlied zum neuen Jahr.

Gottes Segen macht zwar nicht immun gegen Unfall und Gefahr, aber er stärkt uns in allen Lebenslagen. Es ist wahr, viele können mit Segen nichts anfangen. aber sie wissen dennoch, Segen ist eine gute Adresse, ein fester Halt, wenn es um uns dunkel wird. Wünsche müssen sein, sie fördern die Gemeinschaft unter Menschen.

Aber, kann ich auch sagen: Lieber Gott, ich wünsche Dir am Sonntag eine volle Kirche und, dass auch die da sind, die man sonst nicht in der Kirche sieht. Oder: Möge Dir gelingen, die Streithähne auseinander zu bringen, die ihre Völker massakrieren. Warum eigentlich nicht? Wünsche sind Gebete, die von Herzen kommen und zu Herzen gehen. Die einzigen Gebete, die auch jene beten, die sonst nicht beten. Aber Wünsche haben keine eigene Kraft. Trag deine Wünsche zu Gott, dass sie stark werden. Trag sie zu dem, der auf einem Ozean von Kraft sitzt. Mach deine Wünsche zum Gebet. Schöpfe aus dem Meer. Aber es ist Salzwasser. Du musst es selber zum Trinkwasser machen.

Ich wünsche dir, dass die Blumen länger halten. Aber du musst ihnen Wasser geben. Ich wünsche dir, dass in deinem Portemonnaie immer Geld ist. Aber du musst dafür arbeiten. Ich wünsche dir, dass dein Gedächtnis dich nicht verlässt, wenn du einen Vortrag hältst. Aber du musst dich darauf gut vorbereiten.

In unserm Innern brennt ein Licht von der heilen Welt, von der wir nur eine Ahnung haben. Die Wünsche bringen uns ihr näher, so glauben wir.

Ich freue mich, wenn mir jemand Gottes Segen wünscht. Das ist doch etwas Reelles. Und wenn das der tut, von dem ich es am allerwenigsten erwarte, dann scheint mir, als müssten wir Freunde werden.

Ersetze deine Wünsche mit Bitte und Danke, dass sie für beide verbindlich werden: für Gott und für dich. Denn keine Bitte, kein Klopfen und Suchen bleibt ohne Antwort. Gesagt hat das nicht irgend einer, sondern Jesus Christus, der wie kein anderer im Himmel Bescheid wusste. Vielleicht tröstet es uns, dass auch seine Wünsche nicht alle in Erfüllung gingen. Aber eins ist gewiß, von seinem letzten Wunsch leben wir alle auch in diesem Jahr: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser Gottes Segen zum neuen Jahr.

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi


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