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Februar 2011

Die Gedanken sind frei

Liebe Leserin, lieber Leser, In einem Volkslied heißt es: "Die Gedanken sind frei".

Sie kommen und gehen wie sie wollen. Beim Zähneputzen sind es andere, als beim Anziehen oder wenn das Telefon läutet. Auf dem Weg zum Briefkasten denke ich, wer mag mir wohl heute geschrieben haben?

Wenn ich mich auf ein Thema konzentriere, kommt es oft zu einem Gedankenstau. Die kleinen und unscheinbaren, die nicht zur Sache passen drängeln sich vor. Wie Kinder, die zwischen den Beinen. durchschlupfen.

Viele Gedanken sind nur Sekunden lang da, andere Minuten oder Stunden. Je nach dem, ob sie meine Seele berühren oder beim vorüber gehen nur eine kurze Rast einlegen.

Wenn sie bleiben sollen, muss ich mich mit ihnen beschäftigen. Aber nur wenige sind es, die mir Gott bringen. Dann muss ich unbedingt wie Mose am Sinai die Schuhe ausziehen.

Irgendwie klappt es nicht Gott mit dem Verstand zu fassen. Das Herz ist größer. Wann immer ich es versucht habe, hatte ich weniger Segen und weniger Gott. Im Geheimnis und im Unerklärbaren ist Gott am meisten zu Hause.

An manchen Tagen höre ich zwei Stimmen in mir. Die eine sagt: Du hast heute noch nicht gebetet, nicht in der Bibel gelesen, nicht etwas Sinnvolles getan. Verschieb es nicht auf später. Jetzt ist die Zeit, worauf Gott wartet. Die andere Stimme sagt: Mach es dir nicht so schwer, Gott ist immer da und überall, aber nicht das, was du am liebsten machst. Leider ist diese Stimme eindringlicher und verlockender.

Neulich sagte mir eine Frau im Gespräch: Christen geht es immer um Glauben. Das stimmt nicht, erwiderte ich, wir essen, trinken und lachen auch gerne. Manchmal sagen und tun wir sogar etwas, was nicht recht ist. Man kann nicht immer an Gott denken. Alles zu seiner Zeit.

Der Prediger Salomo in der Bibel schreibt ein ganzes Kapitel über dieses Thema: Ein jegliches hat seine Zeit: Geboren werden hat seine Zeit. Sterben hat seine Zeit. Weinen hat seine Zeit. Lachen hat seine Zeit. ... Schweigen hat seine Zeit. Reden hat seine Zeit und lieben hat seine Stunde. (Sprüche Salomo 3).

Dietrich Bonhoeffer schrieb 1944 an seinen Freund: "dass ein Mensch in den Armen seiner Frau sich nach dem Jenseits sehnen soll, das ist mildegesagt eine Geschmacklosigkeit und jedenfalls nicht Gottes Wille. Man soll Gott in dem finden und lieben, was er uns gerade gibt; wenn es Gott gefällt, uns ein überwältigendes irdisches Glück genießen zu lassen, dann soll man nicht frömmer sein als Gott."

Ich mag diesen Text. Er erinnert mich daran, dass der Glaube uns nicht in ferne Welten und Zeiten verweist sondern in das Hier und Jetzt. Ich glaube nicht an Gott um ins Jenseits zu kommen, sondern um mit Gott auf dieser Erde zu leben. Es ist eine geistliche Lebensweise und nicht der Art, wie ich mit meinen Freunden zusammen bin. Sollte mir einmal das ewige Leben beschieden sein, womit ich nicht rechne, sondern nur darauf hoffe und vertraue, dann wird es sein, als fiele Weihnachten und Ostern zusammen.

Deshalb wünsche ich Ihnen so viel Glück, wie Sie verkraften können. Und ich wünsche es auch mir. Ich binde diesen Herzenswunsch an den Engel, den ich ausgepackt in der Hand halte, ein Geschenk, das mir die Christoffel Blindenmission sandte, weil ich jene unterstütze, die einen Engel brauchen.

Engel sieht man oder man sieht sie nicht. Meinen Engel fühle und spüre ich. Ist das nicht mehr? Da ist das Gesicht, da die Flügel und hier die Hände und Füße. In der rechten Hand hält er ein Licht. Ich bin versucht es anzustecken. Lasse es aber sein.

Ich sage , du bist mir selber Licht genug, Bote des Himmels. Du kommst wohl aus Bethlehem, so kurz nach Weihnachten? Hast gewiss mir etwas mitgebracht. Du! rede, ich höre. Und dann ist mir, als redete er in Worten, die mein Herz mir sagt:

Jeden morgen eine kleine Aufmerksamkeit für Gott, dass er auch etwas von dir hat. Nicht viel, nur so groß wie Danke Buchstaben hat. Gott braucht nichts? Er hat alles? Du irrst. Er sucht den Kontakt zu dir, in Gedanken und dem, was dir begegnet heute. Jeder Atemzug kommt von ihm.

Den Schmerz hast du vielleicht nicht verloren, trotz dies und das. Aber, dass es Pausen gab, wo du nicht an deine Sorgen dachtest, ist ein Geschenk von ihm. Sag für alles Danke. Gott gibt nicht immer, was wir wollen. Aber was wir brauchen, das bekommen wir auch.

Und wenn es Abend wird und die Nacht sich um dich legt, sag verzeih für alles, was nicht recht gewesen. Sag es nicht Gott allein, sag es dem, der darauf wartet. Es schläft sich besser mit Dank auf den Lippen, als mit Groll im Herzen.

 

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi