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Das Thema:

Februar 2010

Wie sich ein Mensch verändern kann

Liebe Leserin, lieber Leser,

bekanntlich florieren die Wünsche und Vorsätze zum Jahresende.

Viele nehmen sich vor eine dumme Gewohnheit abzulegen oder mit dem Rauchen aufzuhören.

Einen Wunsch, den erfüllt man sich selber oder lässt sich von Freunden und Verwandten erfüllen. Bei einem Vorsatz dagegen muss man an sich arbeiten.

Ist nicht einfach, abzunehmen, wenn alles so gut schmeckt. Und wie sollen die Besserwisser vom hohen Ross absteigen, wenn sie sich nicht helfen lassen?

Wenn Sie eine Sache an sich selbst verändern wollten, was könnte das sein? An und für sich stehen die meisten Menschen einer Veränderung positiv gegenüber. Die Bibel ist voll von Geschichten, die davon erzählen, wie sich ein Mensch verändert hat.

Zum Beispiel so: Jesus wandert am See Genezareth und sieht einige Fischer bei der Arbeit und ruft sie zu sich. Mit ihnen will er künftig durchs Land ziehen und erzählen, wo er herkommt und wohin die Reise ihn führt. Sogleich lassen sie alles liegen und stehen und folgen ihm, als hätten sie gerade darauf gewartet.

Was mit ihren Boten geschehen soll oder was die Angehörigen dazu sagen werden, unwichtig. Die Stunde hat geschlagen, jetzt gilt nur ein Ja oder Nein. Und sie sagen: ja. Es ist nicht irgendeiner, es ist Jesus, der sie ruft. Später werden zwei andere noch sagen, wie spät es sogar war, als Jesus sie rief, nämlich um die 10. Stunde. So genau haben sie sich das gemerkt.

Jesus sagt alles und verheimlicht nichts, dass wer ihm nachfolgt bereit sein muss, sein Kreuz auf sich zu nehmen und unter Umständen sein Leben für ihn zu lassen. Bei Jesus geht es um Leben und Tod.

Wenn wir in der Bibel lesen, lesen wir nicht nur Geschichten. Wir hören auch Jesus reden. Seit langer Zeit habe ich ihn zum Nachbarn. Gesellig, wie er früher war, ist er heute noch. Bloß nicht so fromm wie die Pharisäer waren. Mit den Kindern lacht er über Kleinigkeiten und entbehrt Freude mit denen, die nichts mehr zu lachen haben.

Mit den Erdbebenüberlebenden weint er um ihre Toten und mit den Hungernden harrt er auf bessere Zeiten. Ich rufe ihn, wenn ich bete und er kommt aus seinem Haus zu mir herüber.

Nicht immer, wenn ich ihn brauche ist er auch da. Oft muß ich meinen Weg ohne ihn finden. Und wenn es lange dauert, werden wir uns wieder fremd. Kommt er nicht oder suche ich ihn nicht richtig?  Irgendwie finden wir uns nicht.

Von Jesus muss man reden, wenn er kommen soll. Wie soll er anders erfahren, dass wir ihn brauchen? Predigen und beten, singen und loben, danken und bitten. Das sind die Türklopfer an seinem Haus; die Ufer des See's Genezaret, wo er wandelt.

Hier hat er Petrus gefunden und Petrus ihn. Hier kam er immer wieder zurück, weil hier der Orrt ist, wo Gott und Mensch sich finden müssen. Ich sage See Genezaret, könnte auch sagen: meine Straße, da, wo sich alles ereignet, was ein Leben reich oder arm machen kann.

Zu Jesus muß man auch klagen, wenn die Sonne nicht mehr scheint und die Nacht den Weg in den Morgen nicht findet. Klagen, wie Hiob geklagt hat zu seinem Gott, als er im Elend sitzend den Tod neben sich stehen sah.

Klagen ist das Gebet ohne Amen, wenn die Lichter ausgegangen und keine Sterne am Himmel sind. Wenn ich klage, habe ich das Gefühl mein Nachbar ruft herüber, hab noch Geduld, ich bin unterwegs.

Wenn Jesus redet, schweigen die andern nicht. Ich folge ihm, damit ich seine Stimme unterscheiden lerne.

Heute morgen sagte eine Frau mir: Seit sie ihre Enkelin bei sich aufgenommen hat, ist der Friede aus ihrem Haus geflohen. Sie sucht ihn Tag und Nacht und findet ihn nicht.

Welche Hilfe hätte ich ihr anbieten sollen? Ich sagte, ich werde für Sie beten. Ein einfacher Weg, vielleicht der einfachste. Aber auch der Schwerste und wirksamste, weil Jesus es geboten hat: "Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan." (Matth. 7,7)

Ich glaube, ich muss wieder beten. Ich brauche Kraft. Die Kraft von neulich ist verbraucht und muss erneuert werden. Wie gut, dass Jesus uns gezeigt hat, was wir machen sollen: "Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld." Was würde ich bloß tun, wenn ich diese Worte nicht hätte, die Jesus auch für sich gebetet hat!

Immer wieder bekomme ich Rückmeldung von Hörern, dass ihre Gebete erhört worden sind. Dann stehe ich da und weiss nicht, was ich sagen soll. Ich muss wieder beten, damit ich mitreden kann.


 

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi


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