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Das Thema:

 Februar 2008

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Bibelwort, das die Christen wie ein Motto über dieses Jahr gestellt haben, ist ein Wort Jesu. Er hat es kurz vor seinem gewaltsamen Tod wie ein Vermächtnis seinen Jüngern mit auf den Weg gegeben: Jesus Christus spricht: "Ich lebe und ihr sollt auch leben." (Joh.14,19) Christus hat die Schirmherrschaft über dieses Jahr. Es steht unter seinem besonderen Schutz. Was seine Nachfolger damit gemacht haben, sehen wir es an uns selber. Sie haben es an uns weiter gegeben und wir geben es an unsere Kinder weiter. Weltweit gibt es über eine Milliarde Christen. Es gäbe sie nicht, wenn Christus nicht lebte. Was soll ich denn Sterbenden sagen, wenn sie mich fragen: Wie geht es mit mir weiter? Ich sage mit dem Liederdichter Christian Fürchtegott Gellert: "Jesus lebt, wer nun verzagt, lästert ihn und Gottes Ehre." (EG 115,3). Wir bekennen uns zu Christus, weil er nicht tot ist, sondern lebt. Das und nichts anderes sagt die "Jahreslosung". Jesus erleben wir heute in einer anderen Daseinsweise, als seine Jünger damals. Wir können ihn nicht sehen und anfassen. Es ist eine andere Realität, als die Wirklichkeit der Welt. Er wirkt heute anders, als damals. Den Ärzten führt er die Hand, auch wenn sie nicht an ihn glauben. Er gibt der Schwester ein aufmunterndes Wort für den Kranken. Den Blinden schickt er einen Helfer ins Haus; bisweilen sogar einen Ungläubigen. Die Sterbenden begleitet er auf dem letzten Weg. Einer hat mal gesagt: Jesus hat keine Hände;  er hat nur unsere Hände. Er hat keine Füße; er hat nur unsere Füße. Er hat keinen Mund; er hat nur unseren Mund. Er wirkt durch Menschen, die sich zu ihm bekennen und die Welt nicht für das Letzte halten, was Gott gemacht hat. Es gibt noch mehr als diese Welt. Und damit Sie gleich wissen, woran Sie mit mir sind, ich glaube fest daran. Ich bin Christ geworden und geblieben, weil Jesus lebt. Ich möchte keine anderen Beweise für seine Existenz, als jene, die mir die Apostel an die Hand geben. Früher suchte man Jesus dort, wo er sich gerade aufhielt. Seit Ostern ist er im Heiligen Geist überall und nirgends. Er bleibt unauffindbar, bis einer seinen Namen ruft: "Suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan," macht er seinen Jüngern Mut in der Bergpredigt. Denn nur im suchen haben wir ihn und wenn wir ihn gefunden haben, suchen wir ihn wieder. Er ist uns nicht verfügbar. Er geht, wenn er bleiben soll (Luk.24,29-31) und kommt, wenn er nicht erwartet wird (Joh.20,25-29). Wenn ich ihn nicht finde, hole ich mir auch mal Verstärkung und bitte meine Freunde mit mir und für mich zu beten. Denn dazu hat er uns ja das Beten gelehrt. Sein Wirken ist vom Wirken Gottes nicht zu unterscheiden. Von sich sagt er: "Ich und der Vater sind eins." Manchmal freue ich mich heimlich und leise, dass Jesus im Geist da ist und nicht körperlich. Denn, dann könnte ich ihn nicht sehen. Welchen Preis können wir für das Leben geben, das uns Jesus in der Jahreslosung in Aussicht stellt? Es kann nur der Preis sein, der aus der Dankbarkeit erwächst. Als ich den jungen Mann fragte, warum er sich als Helfer bei den Blinden zur Verfügung stellt, antwortete er: "Ich bin dankbar, dass ich sehen kann." Der Dankbare teilt sein Brot mit denen, die nichts haben. Nach einer Trauerfeier überreichte mir eine alte Frau eine Spende. Ich wollte es nicht annehmen, da ich ihre Verhältnisse kannte. Da sagte sie: "Nehmen Sie ruhig, in ein paar Tagen gibts ja wieder neues Geld." Am Ende zählt nicht, wie viele Predigten wir gehört haben, sondern was wir getan haben einem seiner geringsten Brüder. (Matth.25,40) Am liebsten würden wir es ja für Christus selber tun. Aber, da dies nicht möglich ist, lassen wir es Menschen zu Gute kommen, die er liebt und für die er gestorben ist. Vielleicht sind ja die Bedürftigen die Platzhalter für Christus.

Der russische Dichter Fjodor M. Dostojewski bekennt kurz vor seinem Tod: "Mein Leben geht zu Ende. Ich weiß und fühle es. Doch mit jedem sich neigenden Tag spür ich auch, wie mein irdisches Leben übergeht in ein neues, unendliches, unbekanntes Leben, dessen Vorgefühl meine Seele vor Entzücken erzittern läßt, meinen Geist erleuchtet und mein Herz vor Freude weinen macht."

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi


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