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Das Thema:

 Februar 2007

Liebe Leserin, lieber Leser,

sicher haben Sie die Jahreslosung für 2007 längst gelesen. Hier ist sie noch einmal:

Gott spricht "Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? (Jesaja 43,19)

Es sind Worte, die in Zeiten der Glaubensmüdigkeit Hoffnung und Zuversicht verbreiten. Worte, die Mut machen wollen für Menschen, die von ihrer Zukunft nichts Gutes erwarten. Ihnen ruft der Prophet zu: Rechnet auch in diesem Jahr mit Gottes Hilfe und Beistand. Bei all euren Planungen und Überlegungen lasst Gott nicht aus den Augen. Wer glaubt, Gott sei mit der Welt fertig, irrt sich. Jeden Tag aufs neue können wir Zeuge von neuer Schöpfung werden. Neues nicht allein auf Wiesen und Feldern. Auch in unseren Beziehungen ereignen sich Geschichten, die neu sind.

"Beten ist Reden des Herzens mit Gott," hat Martin Luther gesagt. Dem nach ist das Gebet eine der höchsten Formen des Engagements, das Christen aufbringen können, um die Welt zu gestalten. In der Fürbitte bringen wir zu und vor Gott, wenn wir uns Sorgen um andere Menschen machen. Wie viele Entscheidungen treffen wir Tag für Tag, die Neues Zufolge haben.

Als mein Bruder aus dem Orient bei uns zu Gast war, sagte er traurig: Jetzt bin ich schon drei Tage hier und habe die Sonne nicht einmal gesehen. So sehr kann man sich selbst an die Sonne gewöhnen, dass sie zum Eigentum wird, als hätten wir einen Anspruch darauf.

Wer vermag noch an dem, was andere gegen Geld für ihn tun, dennoch Gottes Treue und Fürsorge zu erkennen? Wenn ich Zeit hätte, viel Zeit, würde ich die guten Nachrichten, die täglich vor meine Ohren kommen in einer Mappe sammeln und sie zum Regal anwachsen lassen. Hoffnungsgeschichten, die das Leben schreibt. Einige dieser Geschichten will ich erzählen.

Eine Mutter steht mit dem Kinderwagen an der U-Bahntreppe. Viele gehen vorüber. Ein Radfahrer steigt ab und hilft ihr bis in den Zug. Man muß bloß die Augen und Ohren weiter aufmachen als nur für den eigenen Bedarf. Dann sieht und hört man mehr.

Eine Frau rief mich an Weihnachten an und bedankte sich für einen Text, den sie von mir gelesen hatte. Ich wollte sie noch fragen, woher haben Sie meine Telefonnummer, wir kennen uns ja gar nicht. Aber dann dachte ich schnell, lass es dein Weihnachtsgeschenk sein und freu dich darüber. Resultat: Mit dem zusammen, was ich von meiner Frau und unsern Kindern geschenkt bekam, sind es nun vier. Wir sollten nicht alles ergründen wollen. Das schönste am Geheimnis ist, dass wir nicht wissen woher es kommt.

Hoffnungsgeschichten, gesammelt in der Mappe meines Herzens. Früher habe ich eine Zeit lang für jede Freude 50 Pfennig für einen guten Zweck zurückgelegt. Langsam wurde es mir zu viel. Jetzt sammle ich meine Hoffnungsgeschichten dort, wo man sie nicht suchen muss und immer parat hat. In meinem Kopf und Herzen. Wenn ich am Abend zusammenzähle, was der Tag gebracht, denke ich Gott hat die Hand im Spiel gehabt. Ist alles gewachsen auf dem Schreibtisch und Garten Gottes.

Als Bibelleser fallen mir viele Namen ein von Menschen, die es verstanden Gott bei der Arbeit zuzuschauen. Liest man Psalm 104 auch mit den Augen des Herzens, gewinnt man den Eindruck, als würde Gott dem Psalmisten alles einzel zeigen, was er in die Welt stellt: Öl und Most, Wasser und Brot, Früchte des Feldes und der Meere, was am Himmel glitzert und auf der Erde kriecht und fleucht. Zu dieser Einsicht kommen wir nicht durch die Schulweisheit, sondern "Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang". (Psalm 111,10)

Lieber Gott, ich möchte Dir heute eine Freude machen. Du musst doch auch einen haben, der an Dich denkt. Die Blumen für unsere Kirche habe ich heute mit meinem Geld gestiftet. Schau sie Dir dort an. Ich kann Christian im Krankenhaus nicht besuchen. Ist so weit von hier. Ich habe ihm einen Brief geschrieben. Das Bibelwort, das ich drunter geschrieben habe, soll ein Gruß von Dir sein. Du kannst ihm ja nicht selber schreiben. Vielleicht kannst Du, wenn er es liest, sein Herz berühren. Er müsste ihn heute bekommen. Er ist so verzagt. Die Tage, die ihm noch bleiben, sagte seine Frau, "Wollen wir ganz intensiv miteinander leben." Ach ist es schwer sich von Freunden zu trennen. Wie machst Du es denn, wenn ein Mensch stirbt? Ich kann es mir nicht anders vorstellen, als dass du auch traurig wirst. Leb wohl, lieber Gott! Bis in alle Ewigkeit Dein Abbas.

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi


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