Startseite
uhr
   

Zum Archiv

Das Thema:

Dezember 2011

Klopfzeichen


Liebe Leserin, lieber Leser,

ist es schon adventlich bei Ihnen? Nicht nur auf dem Tisch allein oder draußen irgendwo. In Ihnen selbst muss das Licht angehen, das die Adventzeit von der übrigen Zeit des Jahres abhebt.

Ich musste mich von berufswegen vor Wochen schon mit dem Thema beschäftigen. Nicht immer hatte ich Lust dazu. Das hatte zufolge, dass die Gedanken sich nur schleppend einstellen wollten. Auch wenn ich mir einen Bibeltext, eine Liedstrophe oder das Wort eines Weisen vornahm, ein Kaminfeuer in mir haben sie nicht angezündet. In solchen Situationen sind wir oft hilflos.

Die besten Einfälle sind jene, die spontan von Innen kommen. Aber was soll von Innen kommen, wenn nichts drin ist? "Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir." (Offenbarung des Johannes 3,20)

Diesen Text hatte mir ein Verlag geschickt. Ich sollte schreiben, was er dem Leser im Advent sagt. Wie, Jesus will zu mir kommen Und KLOPFT sogar höflich an? Ich brauche ihn ja nicht herein lassen, wenn ich nicht will. Das machen gar viele. Aber Sie hören dann auch bald die Klopfzeichen nicht mehr.

Ich will ihm aber die Tür öffnen. Heute morgen hatte ich schon einmal mit ihm gesprochen. Bloß bei mir halten konnte ich ihn nicht. Wir sind uns ja nicht fremd.

Wir kennen uns seit der Jugendzeit. Im Religionsunterricht und in der Bibel habe ich ihn kennen gelernt. Deshalb weiß ich was geschieht, wenn er da ist:

Ich werde ruhiger. Kann gelassener auf Situationen und Anforderungen reagieren. Ich habe das Gefühl, er nimmt mir ab, was ich auf dem Herzen habe: Anliegen, Gebete, Sorgen und was sonst auf meiner Seele lastet.

Manchmal zieht sogar eine unbeschreibliche Freude in mein Herz ein, weil das Reich Gottes, um das ich im Vaterunser bitte, nun da ist. Und er motiviert mich zu Taten, die ich von mir aus nicht tun würde.

Im Advent hat sein Besuch noch eine weitere Note, wenn um uns alles so blitzt und blinkt, singt und tönt. Wenn Kinder auf den Nikolaus warten und Erwachsene sich auf den Weg machen Heimlichkeiten zu besorgen.

Auf den Besuch von Menschen freue ich mich immer. Allerdings auch wenn sie wieder gehen. Ich weiß nicht, wie es wäre, wenn Jesus niemals wegginge. Die schönen Adventslieder könnten wir dann nicht mehr singen, weil er ja schon für immer gekommen wäre.

Der Advent zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass wir auf ihn warten. Aber dann freuen wir uns auch wieder auf Weihnachten und das neue Jahr. Vielleicht muss es so sein, solange der Himmel nicht auf Erden ist.

Den Mann mit dem Namen Zachäus im Lukasevangelium kennen Sie doch! Ihm hat Jesus auch gesagt, dass er zu ihm zu Besuch kommen will. Gerechnet hatte er damit nicht. Wie glücklich wurde er, als Jesus es wahr machte.

In der Tat, es tut sich etwas in uns, wenn wir uns mit dem Mann aus dem Himmel beschäftigen. Auf seine Spuren können wir noch nach Jahren den Finger legen.

Ja, es bleibt immer etwas in Ohren und Herzen zurück, die wir für Gott öffnen. Ohne Spuren bleibt es nicht, wenn er wieder gegangen ist.

Heute las ich in der Bibel, "Was du, HERR, segnest, das ist gesegnet ewiglich." (1.Chronik 17,27) Ach wie freue ich mich, dass Gott seinen Segen nicht mehr zurück nimmt.

Bald beginnt ein neues Jahr, das Jahr 2012. Schauen Sie hin, wie alles noch im Dunkeln liegt. Nur Schritt für Schritt weicht die Dunkelheit, Stunde für Stunde, Tag für Tag. Mehr auf einmal könnten wir auch nicht verkraften.

Ich wünsche Ihnen mehr als nur Gesundheit. Ich wünsche Ihnen viel Hoffnung und Vertrauen, Freude und Phantasie. Und ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventzeit.

 

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi