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Das Thema:

 Dezember 2009

Liebe Leserin, lieber Leser,

ist es Ihnen schon weihnachtlich zu Mute, jetzt Anfang Dezember? Wahrscheinlich nicht. Mir auch nicht. Aber wenn ich mich mit den Themen beschäftige, die ich im Advent und Weihnachten brauche, dann kommt schon eine gewisse Weihnachtsstimmung auf.

Noch ist nicht Heiligabend und noch höre ich nicht, wie Maria und Joseph an unsere Tür klopfen und fragen: habt ihr Platz für ein armes Paar?

Aber ich denke, sie werden wieder kommen. Letztes Jahr waren sie auch da, als draußen kalt war, angezogen wie arme Leute. Wir haben dann mit ihnen unsere Hauswärme geteilt und was im Kühlschrank war und im Backofen.

Man kann alles teilen: den Platz am Tisch, das Bett auf dem Sofa, den Glauben an Gott und die Freude im Gesicht. Wenn die Freude nicht ansteckt, kann man etwas nachhelfen: Mit dem ersten Licht am Adventskranz und dem Lied: "Wie soll ich dich empfangen und wie begegn' ich dir." 

Ja, vielleicht kommen sie wieder. Die Gleichen und doch nicht die Selben. Wir haben uns jedenfalls darauf vorbereitet. Dem Kind in Bethlehem hat man auch nicht angesehen, dass er Gottes Sohn war. Vielleicht hätten sie ihm dann mehr Respekt gezollt und er hätte nicht so viel leiden und früh sterben müssen. 

Gott hört auf uns, wenn wir bitten: Komm Herr Jesus. Sei unser Gast. Wir würden nicht beten, wenn wir nicht überzeugt wären, dass er kommt. Er kommt, auch wenn wir ihn nicht sehen und fühlen. Seine Verheißungen sind zuverlässiger als unsere Wünsche und Bitten. 

Wir verändern unsere Meinung von heute auf morgen. Aber nicht Gott: "Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an." Gott hält, was er verspricht. Auch wenn es andere sind, die seine Zusagen ausführen. 

Ja, das gibt es: als ich neulich auf der Straße einem Bekannten die Hand drückte, überfiel es mich: Wer will jetzt ausschließen, dass in ihm nicht Christus mir die Hand reicht? Genau so hat er ausgesehen, gesprochen und die Hand geschüttelt. Ein Mann, der oft vom Tisch der anderen aß und im Haus von anderen schlief. Haben Sie schon Ihre Begegnung mit ihm gehabt oder warten sie noch darauf?

Es ist für jeden eine Ehre und keine Last, wenn das Christkind zu ihm kommt. Es gibt viele Wege, auf dem er kommt. Der Stall von Bethlehem war einer; wenn wir die Kerzen anstecken und Adventslieder singen, ein anderer: "Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzenstür dir offen ist." Jeder Gottesdienst bahnt ihm einen Weg: "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Es kommt, der Herr, der Herrlichkeit." 

Vor Jahren habe ich einmal unserem Bischof die Hand gereicht. Das war bei einer Gemeindeveranstaltung. Er sprach vom Advent und dass der Herr zu jedem kommen will. Ich dachte bei mir: wie schön wäre es, wenn der Herr Bischof auch einmal zu uns in die Wohnung käme. Das ist eine Illusion geblieben. Nun ist er in Ruhestand gegangen. Als Bischof kann er nicht mehr kommen. Gott aber war schon da und wird wieder kommen. Doch, wir lassen ihm oft gar keine Zeit, sich zu überlegen wann und wie er kommen und in unsere Not eingreifen soll. Sofort muss es geschehen, sonst passiert noch wo möglich etwas Schlimmes. 

Jesus lies sich ein paar Tage Zeit, bevor er zu den Geschwistern Maria, Martha und Lazarus nach Bethanien ging. Obwohl sie es ihm ganz dringlich gemacht hatten: "Herr, den du lieb hast, liegt krank". (Joh. 11,3) Nun, Lazarus ist darüber gestorben. Aber Jesus hat der Familie dennoch geholfen. Er hat Lazarus zum neuen Leben, mitten im alten erweckt. 

Unser Leben setzt sich zusammen weitgehend aus kleinen Erlebnissen , die nicht lohnen notiert zu werden: Zähneputzen, Schuheschnüren, Kaffee kochen, die Tür schließen, Fenster öffnen, Gutentag sagen, Brot kaufen. Würden sie aber fehlen, wäre das Leben nicht mehr vollständig. 

Gott nimmt es in Kauf zu den Dingen zu gehören, die wir nicht brauchen. Kennen Sie Menschen, die Gott nicht brauchen? Ich ja. Dennoch bekommen sie alles, was sie nötig haben.

Weihnachten kommt jeden Tag ein Stück näher, auch ohne unser Zutun. Beim Einkaufen im Geschäft höre ich singen: "Alle Jahre wieder, kommt das Christuskind, auf die Erde nieder, wo die Menschen sind." Wie gut, dass ich ihn daran nicht hindern kann. 

Der Brief, der heute morgen kam, hat mich überrascht. Ich hatte ihn nicht erwartet. Vielleicht wollte Gott mir damit etwas gutes tun. Er konnte es nicht anders als durch diesen Briefschreiber.

Ich setze mich in die Kirchenbank und lasse mich innerlich los, singe die Lieder mit und höre auf das Evangelium und suche darin etwas, das ich brauchen kann. Viele Gedanken gehen mir durch den Kopf. Ich brauche sie nicht. Sie stören jetzt nur. 

Ich versuche mir vorzustellen, wie die erste Weihnacht der Hirten gewesen ist, von der die Weihnachtgeschichte erzählt. Ich würde mich auch erschrecken, wenn jetzt die Kirche voller Engel wäre, die ich nicht kenne: grelles Licht, Flügelschlagen, seltsame Stimmen, die normaler Weise im Leben nicht vorkommen. Ich würde, glaube ich, fortlaufen.

Die Hirten sind auch fortgelaufen. Wir wissen aber wohin. Zum Stall. "Wer den Weg zum Stall nicht findet", sagt der Schriftsteller Kurt Ihlenfeld, "findet ihn zu Gott auch nicht". Der Weg zur Krippe führt nur durch den Stall.

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi

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