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Das Thema:

 Dezember  2008

Liebe Leserin, lieber Leser,

Bald ist wieder Weihnachten. Da haben die Spenden Hochkonjunktur. Vorgestern habe ich, ohne zu übertreiben, 8 Spendenbriefe auf einmal bekommen. Alle schreiben herzzerreißende Briefe. Schicksale von Kindern, die einem an die Nieren gehen. Wem soll ich nun geben und wem nicht? Du brauchst mir nicht zu antworten, Gott, ich weiß selber, dass du alles willst, was ich geben kann. Ich will aber auch noch etwas behalten für später, für die Kinder und wenn ich selber alt bin. Denn das Jahr ist noch lang und die Not wird leider auch sehr alt und gebiert immer neue Kinder. Ich kannte eine Frau in der Gemeinde, sie lebt nicht mehr. Sie erzählte mir einmal wie sie das Problem mit den Spenden für sich gelöst hat. Jedem, der ihr einen Bittbrief schickte, gab sie 5 Mark, allen gleich. Genau, wie Jesus es in dem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg ihr vorgelebt hatte. (Matth.20). Heute würde sie es vielleicht auf 5 Euro aufstocken, wenn sie es denn hätte. Eine Möglichkeit, über die man nachdenken kann. Niemand kann allein den Hunger in der Welt bekämpfen. Aber alle zusammen könnten wir es schaffen. Als Christen sind wir darin einig, dass wir etwas dafür tun müssen, damit die Menschen länger leben, weil das Leben etwas Schönes ist. In Ruhe unser Essen genießen und besser schlafen wollen wir aber auch. Wann ist das besser möglich, als mit dem Gefühl: durch mich wird ein Mensch wenigstens einmal richtig satt. Das Bedenken vieler, ihre Spende könnte in falsche Kanäle abwandern, mache ich mir nicht, seit ich nur jene Organisationen unterstütze, die mir bekannt sind. Es gibt eine Geschichte im Evangelium, die unsere Frage thematisiert. Jesus beobachtete einmal die Kollektenpraxis der Gottesdienstbesucher im Jerusalemer Tempel. Seine Aufmerksamkeit galt besonders einer armen Witwe. Er sah, wie sie zwei "Scherflein" (halber Cent) in den Gotteskasten steckte. Dazu der Kommentar Jesu: Sie hat mehr gegeben als alle anderen. Jene gaben von ihrem Überfluss, sie aber hat auch das gegeben, wovon sie lebte (Lukas 21,1-4) Die Frau tat den Vögeln gleich, die sich keinen Vorrat anlegen. Sie vertraute auf den, der sie bisher versorgt hatte und auch künftig versorgen würde. Jesus hatte seine Lektion offenbar von den Vögeln gelernt, die weder säen, noch ernten, noch in die Scheunen sammeln. Es sind viele Jahre her. Wir saßen in der Kirche. Als die Kollekte angekündigt wurde, fragte mich meine Banknachbarin: "Könnten Sie mir vielleicht 1 Mark wechseln." Ich hatte mir nur 2 Mark eingesteckt und bedauerte, dass ich nicht mehr dabei hatte. Nicht wegen der Frau, sondern wegen der Predigt. Das Evangelium hatte mir heute das Herz aufgeschlossen und ich hatte damit nicht gerechnet. Der Kopf plant ohne das Herz zu fragen. Manchmal bringen wir uns selbst um die Chance Gutes zu tun. Denn wenn wir Kollekte geben, üben wir uns imTeilen. Auch wenn die Worte etwas abgegriffen sind, dennoch wünsche ich Ihnen gesegnete Advents- und Weihnachtstage. Etwas Besseres als Gottes Segen habe ich nicht.

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi


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