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Das Thema:

 Dezember  2007

Liebe Leserin, lieber Leser,

vielleicht haben Sie mehr oder weniger regelmäßig "Das Thema" gelesen und manchmal auch davon Gewinn gehabt. Für Ihre Treue zu den Andachten möchte ich Ihnen danken. Für Treue hat die Bibel nach Jesu Worten eine Belohnung im Himmel bereit: "Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind." (Luk. 10,20) Eine Sicherheit dafür kann ich Ihnen leider nicht liefern. Auch Jesus konnte es nicht. Aber meine Überzeugung darf ich Ihnen mitteilen. Irgendwann ist sie mir zum bleibenden Besitz geworden. Manchmal hören und lesen wir, was vor Augen und Ohren ist, ohne damit eine Absicht zu verbinden. Hinterher stellen wir aber fest, gerade das brauchte ich, allein ich habe es nicht gewusst. Aus Situationen, wo die Meinung des anderen uns etwas zu denken gibt, habe ich zeitlebens profitiert. Von Martin Luther las ich einmal, dass er in Anfechtungen mit der Hand auf den Tisch schrieb, "ich bin getauft." Das hat ihm geholfen und er konnte wieder zuversichtlich seinen Weg gehen. Das wünsche ich Ihnen auch, wenn Sie in Kürze über die Schwelle des neuen Jahres gehen. Damit verbinde ich die Hoffnung, dass Sie etwas von dem bewahrt haben, was Sie hier gelesen, etwas für gute und weniger gute Tage. Etwas für Ihren Weg ins neue Jahr. Seien Sie behütet und gewiß, dass Arbeit und Sorgen nicht alles sind. Es gibt noch Menschen, die es gut mit Ihnen meinen. Ansonsten treffen wir uns wieder im Januar.

Vielleicht haben Sie für 2008 neue - oder alte Vorsätze neu gefasst. Sie haben recht. Veränderung geht immer von uns selber aus. Wenn wir uns ändern, ändern sich auch die Dinge und die Verhältnisse. Ein alter Berliner, der es wissen muss, sagte mir: früher haben sich die Leute auf der Straße gegrüßt, auch wenn sie sich nicht kannten. Das ist längst nicht mehr Inn. Mag es auf  Dörfern, allenfalls noch in Randbezirken der Großstädte vorkommen, aber das ist auch alles. Wir wohnen in einem Außenbezirk. Meine Frau erzählte unlängst von einer Mitbewohnerin unserer Straße, die nie ihren Gruß erwiderte. Jetzt nach bald einem halben Jahr grüßt sie sogar von selbst. Es ist wie mit den Menschen in der U-Bahn gegenüber, wenn wir sie freundlich anschauen, lächeln sie zurück. Während wir die Menschen an ihrem Fehlverhalten messen, glaubte Jesus an ihre Veränderbarkeit. Das war das besondere an Jesus, dass er die Menschen niemals aufgab. Weil er selber gut war, glaubte er an das Gute in jedem Menschen. Wir sind ja nicht durch und durch schlecht. Wie sollten wir sonst etwas Gutes tun und schaffen können? Was gut ist auf der Welt, geschieht auch durch Menschen. Jesus ist vergesslich in Bezug auf das, was ihm angetan wurde. Er bittet Gott es ihnen nicht anzurechnen. Dagegen vergisst er bis in Ewigkeit nicht, wenn einem seiner geringsten Brüder ein Becher kalten Wassers gereicht wird. (Matth. 10,42) In der Bibel werden viele Geschichten überliefert, die zeigen wie Gott sich vornimmt etwas zu tun, aber am Ende seinen Plan fallen lässt. Gott fängt mit uns immer wieder neu an. Weihnachten ist ein solcher Neuanfang.

Noch etwas wollte ich Ihnen sagen. Ich habe zu meinem Schutzengel für Sie gesagt: Richte bitte deinen Kollegen aus, dass sie auf ihre Schutzbefohlenen aufpassen sollen, wenn sie über die Schwelle des neuen Jahres gehen. Denn dunkel ist es und ungewiss, was kommt. Wohin sollen sie gehen und wie sich entscheiden, wenn sie den Himmel nicht sehen. Sprecht ein Wort, dass Licht auf den Weg fällt und die Zweifel vertreibt. Passt auf sie auf, dass sie nicht stolpern und die Stufen verfehlen. Fangt sie auf und lasst ein Wunder geschehn, eines von der Art, wie Jesus getan hat. Nehmt sie in Schutz, wenn Feinde über sie herfallen und ihr Gottvertrauen rauben. Wenn über sie kommt die Nacht der Trübsal und Angst, die letzte Nacht, da keiner mitgehen kann, tragt sie auf Händen, wie eine Mutter ihr krankes Kind  trägt. Schutzengel, sag ihnen: Hinter jedem Gesicht ist ein Schicksal verborgen und hinter jedem Schicksal ein Mensch, der von Gott geliebt ist.

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi


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