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Das Thema: August 2009

Nette Menschen

 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

die Welt ist voll von netten Menschen. Können Sie mir das bestätigen? Aber die Welt ist groß und das Leben zu kurz, um sie alle kennenzulernen.
Ich freue mich immer, wenn ich Menschen treffe, die freundlich sind. Sie haben so etwas, was nicht alle haben. Man kommt leichter mit ihnen ins Gespräch. Gelegenheiten dazu gibt es ja viele. Heute war so ein Tag für mich. Ein Freund hatte meine Zugangsdaten für mein E-Mail-Programm versehentlich gelöscht. Da ich mich allein nicht zurecht fand, rief ich einen Mitarbeiter eines Providers an und bat ihn mir zu helfen. Bereitwillig ging er mit mir am Telefon Schritt für Schritt die einzelnen Punkte durch. Am Ende schaute ich auf die Uhr. Es waren ca. 60 Minuten vergangen. Und das Schöne dabei war, es hat mir nichts gekostet. Ich weiß nicht ob ein Engel mehr Geduld hat, als dieser Mann für mich aufbrachte. Vorher hatte ich gebetet, Gott möge mir einen Engel schicken, der mich auf den rechten Weg führt. Ich weiß wohl, dass Gott seine Hilfe nicht von unserem Gebet abhängig macht. Aber Beten macht ruhiger und läßt uns gelassener auf kritische Situationen reagieren. 

Von Engeln, die keine Flügel haben, hatte ich schon gehört, aber dass ein Engel auch nur eine Telefonstimme sein kann, das habe ich heute erfahren. Mag sein, dass man mich für naiv hält. Aber dann war auch Jesus naiv. Er hatte nämlich eine ausgeprägte Beziehung zu Engeln. Er erwartete wenig von Menschen und viel von Gott. Ich bewundere die Leute, die auf keine Hilfe warten. Sie können alles allein managen. Aber haben sie auch genug Gelegenheit zum staunen? Wer die anderen nicht braucht, kann nur über sich selbst staunen. Ein Sprichwort sagt: "Was dir gut tut, kannst du dir nicht selber sagen, du musst es dir sagen lassen."

Staunen ist ein Vorgang, der imstande ist Gott auf die Erde herunter zu holen. Es hat etwas mit Inspiration und Eingebung zu tun. Wenn wir uns in inspirierter Stimmung befinden, können wir über alles staunen. Nichts ist selbstverständlich. Können wir etwas dafür tun, dass diese Stimmung länger anhält, als nur einen Augenblick? Ja, an Gott denken. Wer staunt sieht und erlebt mehr. Sieht was vor Augen und Ohren ist und sieht was Gott tut. Nicht nur "im Danken kommt neues ins Leben hinein", wie es in einem Lied heißt, sondern auch im Staunen.

Die Wunder Jesu verfolgten auch den Zweck die Menschen wieder zum Staunen zu bringen über das, was Tag täglich in unserer Mitte geschieht. Jesus konnte über die Lilien auf dem Feld ebenso begeistert sein, wie über spielende Kinder und feiernde Menschen. Glücklich der, wenn er morgens aufwacht und nicht auf einen Wink vom Himmel wartet, sondern sich darüber freut, was Gott ihm vor die Füße gelegt hat. Im kleinen das Große und im Detail das Ganze zu erblicken, ist eine Kunst, die durchaus gelernt werden kann. Je weniger wir von uns selber erwarten, desto empfänglicher werden wir für Gottes Walten in der Welt. 

Wunder, wie sie in der Bibel erzählt werden, habe ich wohl noch keine erlebt; aber unzählige andere, die ihnen in der Größe kaum nachstehen. Mir sind viele kleine Wunder über den Tag verteilt lieber als ein Großes im ganzen Leben. Als Gott die Welt gemacht hatte, da fand er alles "sehr gut". Ein Eindruck, den auch wir kennen, wenn uns etwas gelungen ist. Vielleicht weil ich nicht alles allein bewältigen kann, erlebe ich viele nette und freundliche Menschen.

Freundlich kann man fast nebenbei sein, während man viel Kraft braucht um sich aufzuregen. Freundlichkeit steckt an, schneller als das Feuer laufen kann. Zu netten Menschen setzen wir uns gern. Sie färben ab, wie ein buntes Kleid unter weißer Wäsche. Die Bibel erzählt, immer wenn Mose auf dem Sinai mit Gott zusammen kam, glänzte sein Angesicht von dem Schein, der von Gott auf ihn fiel. Er musste sich eine Decke vorhalten, um die Menschen nicht zu blenden, die ihm begegneten. Was ist davon übrig geblieben? Vielleicht ist das, was ein freundlicher und liebevoller Mensch dem anderen bedeutet, ein schwacher Abglanz vom Angesicht Gottes, den jeder mitbekommen hat. Aber wir verfügen nicht darüber. Es ist und bleibt ein Geschenk des Himmels. Wir müssen damit leben, dass wir zwei Seiten haben, eine Freundliche und eine Egoistische. Schließlich sind wir alle miteinander verwandt.

Abbas Schah-Mohammedi


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