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Das Thema:

 April 2008

Liebe Leserin, lieber Leser,

nicht nur nach Rom führen viele Wege, sondern auch zum Glauben. Sogar der Zweifel kann bisweilen zu einem Weg werden, der zum Glauben führt, wie die Geschichte von Thomas im Evangelium uns vor Augen führt. Thomas, genannt der Zwilling ist der älteste mir bekannte Leugner der Auferweckung Jesu. Als Christus während eines Sonntagsgottesdienstes seinen Jüngern erschien, fehlte Thomas. Seine Freunde erzählten ihm davon. Thomas aber hatte nur ein Kopfschütteln dafür: "Wenn ich nicht in seinen Händen sehe die Nägelmale und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich's nicht glauben." (Joh.20,25) Erstaunlich, dass er sich dennoch zum Jüngerkreis hält. Warum auch nicht? Genau wie viele von uns, die zur Kirche gehen, auch ohne dass sie an die Auferweckung Jesu glauben. Es sind ja nicht alles Gläubige, die in den Bänken sitzen. Trotzdem zahlen sie ihre Kirchensteuer, weil sie wissen, wozu die Kirche steht, ist eine gute Sache, die gefördert werden muss. Mögen sie auch nur unregelmäßig in den Sonntagsgottesdienst kommen, aber sie behalten die Kirche im Blick. Es ist ja nicht gesagt, dass die anderen besser sind. Thomas hat auch heute noch viele Zwillingsbrüder. Manchmal freue ich mich sogar, dass wir nicht so viel von einander wissen. Dann brauchen wir auch nicht auf einander mit dem Finger zu zeigen. Viele tun sich schwer mit Ostern. Vielleicht haben sie gar nicht so unrecht. Schließlich wird keiner gläubig geboren. Jeder muss für sich zwischen Wahrheit und Irrtum entscheiden. An etwas zu glauben, was die Augen nicht überprüfen und der Kopf es nicht fassen kann, ist schwer genug. Thomas genießt deshalb unsere Sympathie, weil er war, wie im Grunde jeder von uns ist: Suchender und Fragender, Glaubender und Zweifelnder zugleich. So viel ich weiß, war keiner der Zwölf gläubig, als Jesus sie in seine Gefolgschaft rief, gläubig im Sinne des Osterglaubens. In seinem Handeln und Predigen hat Jesus vor allem jene bevorzugt, die im Ruf standen Sünder zu sein und das mosaische Gesetz zu brechen. Ob Leichtgläubigkeit so erstrebenswert ist, weiß ich nicht mal. Die Bibel kennt nicht so viele Namen, die im Handumdrehen zum Glauben kamen. Alle waren zunächst voller Skepsis. Kinderglauben ist gut, aber bekanntlich bleibt es nicht beim Kinderglauben. Auch das lodernde Feuer, das so viel Begeisterung hervorruft, geht einmal aus. Dann fragt es sich, was Bestand hat. Ich kenne keine Ostergeschichte, die auf anhieb zum Osterglauben geführt hat. Selbst Maria Magdalena., die als erste zum Grab geht, verwechselt Jesus mit dem Gärtner. Als die Frauen vom leeren Grab berichten, glaubt keiner der Männer. Der Zweifel der Jünger hält aber Jesus nicht davon ab, sich zu offenbaren. Die Wahrheit kann sich nicht verstecken. Das Evangelium bringt es ans licht. In der Thomasgeschichte wird der Zweifel anerkannt als ein Weg, der zum Glauben führt. Jesus kommt im nächsten Sonntagsgottesdienst wieder und diesmal ist Thomas dabei. Heute wie damals sind unsere Gottesdienste Orte, wo Christus anwesend ist. Die Realität unserer Augen gaukeln uns aber vor, er sei nicht da. Wir begnügen uns dann lediglich mit einem klugen Gedanken, den uns die Predigt mit nach Hause gibt. Ist das alles? Nein, zu wenig. Auferstehung muss erleb- und erfahrbar werden, damit es bei uns bleiben kann. Es muss uns ins Herz dringen, durch "Mark und Bein" gehen, aus Saulus Paulus machen, aus Simon Petrus, damit auch wir wie Thomas am Ende sagen: "Mein Herr und mein Gott." (Joh.20,28) Jesus hat uns versprochen, in der Zeit, wo er nicht greifbar ist, in Gestalt von Brot und Wein bei uns zu sein; so, wie es im Abendmahl uns dargereicht wird. Herr bleibe bei uns, bitten ihn die beiden Emmausjünger, als sie ihr Ostererlebnis hatten. Sie wollten ihn so haben, wie vor Ostern. Aber das war und ist nicht möglich. Da gibt ihnen Jesus das Brot, das er gerade vor ihren Augen gebrochen hat und den Kelch, den er gesegnet hat als Repräsentanten seines Leibes und Blutes. Mit dem Abendmahl haben wir etwas, das wir anschauen und schmecken können. Etwas, das unseren Glauben stärkt und festigt, wenn wir daran teilnehmen. Ein unübertrefflicher Vorzug für uns Nachgeborene, die an die Auferstehung glauben ohne Jesus gesehen zu haben. Für uns und nicht für Thomas gilt die Verheißung, mit der die Geschichte endet: "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben." (Joh.20,29)

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi


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